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Gedanken zwischen Himmel und Erde


November: Archiv-Übersicht der Einträge


Sonntag, 30. November

Kerzenlicht erstrahlt


1. Advent

Kerzenlicht erstrahlt
Wärme und Geborgenheit
Besinnliche Zeit

Ich wünsche Euch allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit. Geniesst den Tannenduft, den der frische Adventskranz verströmt und den Bienenhonigduft von der ersten Kerze, die brennt.

Ein wenig Ruhe und Stille in der Hast des Alltags liebt unsere Seele und ist dankbar dafür.

Dietlinde Heider
Dietlinde am 30.11.03|09:14 AM GMT+1 [Eintrag]


Freitag, 28. November

Ein Windstoss, der zaubert.....


Immer noch sind dunkelrote Hagebutten an den Sträuchern. Nass glänzen sie in der Sonne wie Rubine oder Granate, die das Licht reflektieren. Als Sinnbild für den Herbst stellen sie sich dar, genau wie ihre Blüten, die Heckenröschen, den Zauber des Frühlings verkörpern. Das zarte Rosa ihrer Blütchen, womit sich die Heckenrose schmückt, ist jedes Jahr ein Symbol für zarte Blütenpracht.

An einem Frühlingstag machte ich einen Spaziergang entlang eines Weges, der mit Heckenröschenbüschen eingefasst war. Der Wind blies ziemlich böig, und plötzlich, wie von einer Hand verschüttet, fielen Blütenblättchen der Heckenrose vor mir auf den Weg und zu meiner Überraschung bildeten sie einen Teppich auf dem Weg, der aus lauter Herzchen bestand. Noch nie zuvor war mir aufgefallen, dass die einzelnen Blütenblätter der Heckenrose herzförmig gestaltet sind. Sie lagen nun so zart vor meinen Füssen am Weg, und weil sie so unmittelbar vor meiner Nase frisch vor meine Füße geweht worden waren, hatte ich das Gefühl, sie seien für mich verstreut worden, damit ich mich über die Herzen freuen sollte.

Ich konnte unmöglich auf diesen zarten Herzteppich treten und darüber laufen. Deshalb berührte ich sie nicht. Ich ging an der Seite des Weges vorbei und schaute mir das Geschenk der Heckenröschen dankbar lächelnd an.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 28.11.03|09:03 AM GMT+1 [Eintrag]


Mittwoch, 26. November

Mehlbeerstrauch


Auf einem Mehlbeerstrauch, der vollkommen entblättert ist, aber herrliche, rote Mehlbeeren trägt, sitzen zwei Amseln. Beide haben zwar ein uneingeschränktes Angebot von Mehlbeeren vor sich, doch die eine Amsel ist eifrig bedacht, die zweite im Strauch zu verjagen. Fliegt im Sturzflug auf sie zu und zetert laut. Immer wieder treibt sie sie von Ast zu Ast bis an den Rand des Strauches. Schnell hat sie es geschafft, dass der ungebetene Gast das Weite sucht.

Trotz Überangebot von Beeren herrscht angeborener Futterneid. Nachdem sie die Amsel vertrieben hatte, fliegt sie selbst auch davon, und ich denke noch ein wenig über die Amseln nach und muss lächeln........

Dietlinde Heider

Dietlinde am 26.11.03|08:55 AM GMT+1 [Eintrag]


Montag, 24. November

Ein trauriges Erlebnis


Gestern bei meinem Morgenspaziergang durch den schon öfters in meinem Tagebuch erwähnten kleinen Park in unserer Nähe, sah mich, statt wie gewohnt, eine einzeln stehende gutgewachsene Tanne, schätzungsweise in 20 Jahren so schön groß geworden und von herrlichem Wuchs, ein abgeschnittener Baumstamm an. Ich konnte gar nicht so schnell denken, was eigentlich geschehen war, und brauchte einige Momente, um zu realisieren, daß die Tanne gefällt worden war, unwiederbringlich!

Weg, fortgeschleppt, nur noch der Baumstumpf sichtbar. Ich hatte sie immer bewundert wegen ihres gleichmäßigen Wuchses. Vögel mochten diesen Baum sehr. Buchfinken hielten sich immer darin auf. Auch ein rotbraunes Eichhörnchen sah ich öfters am Stamm hochflitzen und einen Tannenzapfen abbeißen, ihn dann quer in seinem kleinen Maul balancieren und mit größtem Geschick in den Zweigen der Tanne langflitzen. Mit einem waghalsigen Sprung erreichte es den nächststehenden Baum.

Manchmal kletterte es auch kopfüber am Stamm herab, verspeiste den Tannenzapfensamen, indem es jede Schuppe des Zapfens auseinandernahm. Es saß aufrecht auf seinen Hinterpfoten. Mit den Vorderpfoten drehte es geschickt den Zapfen immer wieder, um gut an die Samen heranzukommen. Vom ganzen Festmahl blieb nur ein Häufchen Tannenschuppen und der Kern des Zapfens unter der Tanne liegen. Wenn es noch nicht satt war, wiederholte sich das selbe Spielchen noch mehrere Male, bis es dann mit einem Husch verschwunden war. Diese kleinen Erlebnisse würden sich nun hier nicht mehr wiederholen können.

Der Parkwächter war ein Stück entfernt von mir und rechte Blätter zusammen. Ich fragte ihn ganz erschrocken: "Wissen sie, warum die Tanne gefällt worden ist? Sie hat doch hier gar niemanden gestört". Ich hatte immer noch nichts begriffen, bis er mit einem Grinsen antwortete: "Die wird am 1. Advent beleuchtet als Christbaum vor dem Gemeindehaus stehen". Jetzt begriff ich endlich. 20 Jahre hatte sie gebraucht, um so herrlich zu wachsen und nun stand sie für 4 Wochen vor dem Bürgermeisteramt, um dann entsorgt zu werden. Ich würde keine Freude am Gemeinde-Christbaum haben, das stand fest!

Die Kurzsichtigkeit einiger Menschen, die glauben, sich beliebig aus der Natur bedienen zu können, macht mir Angst.

Dietlinde Heider
Dietlinde am 24.11.03|09:18 AM GMT+1 [Eintrag]


Samstag, 22. November

Haselnuss


Der klare blaue Himmel mit strahlender Sonne lockt mich heute wieder zu einem Spaziergang durch die herbstliche Natur. Gleich am Eingang unseres Parks bleibe ich verwundert stehen. Entdecke ich doch gerade einen großen Haselnussstrauch, dessen Blätter schon ein wenig gelb sind, und nun kommt das Wunderbare, und direkt unter den Blättchen ist der ganze Strauch schon übersät mit ganz festen Haselnusskätzchen. Also alte Blätter und neue Zäpfchen gleichzeitig am Strauch. Allgemein nimmt man an, dass die Haselnusszäpfchen erst im Frühling sprießen. Weit gefehlt! Im Herbst sind sie schon vollkommen entwickelt am Strauch und fangen im Frühling nur an zu stäuben. Neues Leben schon im Herbst.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 22.11.03|08:58 AM GMT+1 [Eintrag]


Donnerstag, 20. November

"Quarkklößchen" mit Preiselbeeren.


Da ich diese leichte Nachspeise über alles liebe, verrate ich heute das Rezept für diese Köstlichkeit, die ganz schnell zubereitet ist, und wunderbar schmeckt!

Für 2 Personen

250 g Schichtquark
2 Eier
4 gestrichene EßL Mehl
1 Pr. Salz
Preiselbeeren
Zimt
Zucker
zerlassene Butter
*

Den Schichtquark am Abend vorher in ein Sieb legen, und eine Schüssel unterstellen, dass der Quark gut abtropfen kann. Auf den Quark einen kleinen Teller legen und ihn mit einem Stein beschweren.
Am nächsten Tag das herausgelaufene Wasser aus der Schüssel schütten und den abgetropften Quark in die Schüssel geben. Die 2 Eier dazugeben und mit dem Schneebesen verrühren. Nun folgen die 4 gestr. Eßlöffel Mehl, die man ebenfalls mit dem Schneebesen unterrührt. Bitte nicht die Prise Salz vergessen, die man auch dazugibt. In der Zwischenzeit einen großen Topf mit viel Wasser aufstellen, ein wenig Salz ins Wasser geben und leicht zum Sieden bringen. Zuerst den Eßlöffel in das siedende Wasser tauchen, dann löst sich die Quarkmasse sehr gut vom Löffel und gleitet in das Wasser. Nach dem Eintauchen mit dem heißen Löffel
Klößchen abstechen, und ins siedende Wasser gleiten lassen. Jedesmal wieder den Löffel ins heiße Wasser eintauchen, und neuen Teig in Löffelform abstechen und ins Wasser geben bis der Teig verbraucht ist. Die Klößchen ungefähr 8 - 10 Minuten leicht ziehen lassen. Dann in eine Schüssel geben. In der Zwischenzeit Zimt und Zucker mischen, Butter zerlassen. Die heißen Quarkklößchen werden mit Butter übergossen, mit der Zimtzuckermischung bestreut. Man reicht Preiselbeeren dazu.

Wirklich köstlich, diese leckere Nachspeise, die ich ganz besonders mag.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr sie auch einmal ausprobieren würdet, und ich ein Echo bekäme, ob sie euch geschmeckt haben.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 20.11.03|09:34 AM GMT+1 [Eintrag]


Dienstag, 18. November

Farbmosaik der Berberitzenhecke und Zaunkönigbesuch


Heute bleibt mein Blick in den Schleierwolken am Himmel hängen. Zart und fein sind sie über den wunderschönen, blauen Himmel gespannt. So merke ich gar nicht, dass ich schon am Eingang des Parks angekommen bin, der heute für mich eine Überraschung bereit hält, nämlich ein einmalig warmes Farbenspiel von Karminrot, Zinnoberrot, Karmesinrot, Gelb- und Orangetöne bis hin zu Ocker, Erdtönen und noch verbliebenen Grüntönen. Eine Berberritzenhecke bietet diesen Anblick, und ich kann nur staunend dieses Farbmosaik bewundern.

Ein paar Schritte weiter sehe ich kleine gelbe Blättchen aus einem Strauch „schweben“, so sanft fallen sie, und als ich etwas genauer hinschaue, sehe ich einen Zaunkönig, der von Ästchen zu Ästchen hüpft und Insekten und Spinnen als Futter sucht. Bei der kleinsten Veränderung seiner Position rieseln Blättchen herunter. Sein zartes Gewicht, er zählt zu unseren kleinsten Vögeln, dürfte doch fast keine Erschütterung verursachen, denke ich mir, aber stetig rieselt es weiter aus dem Strauch. Ich kann ihn sehr gut beobachten, ist er doch höchstens 1 m von mir entfernt und auf Augenhöhe. Jetzt hält er inne und knickst ein paar Mal auf dem Ästchen, wie es das Rotschwänzchen auch tut, und ich höre sein schnarrendes „Zerrrrr“, und schon schwirrt er davon. Ich mag diese kleinen Zaunkönige, und im vorigen Sommer hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis mit ihnen. Ich kam auf unsere Terrasse, die von einer Pergola umgeben ist und auf einem dieser Stützpfeiler, ich dachte, das kann doch nicht wahr sein, saß eine Zaunkönigfamilie von 2 etwas weniger winzigen Vöglein und 2 Zaunkönigskindern, die wirklich klitzeklein waren. Alle 4 schön aufgereiht und ich hielt vor Erstaunen die Luft an. Ich hatte das Gefühl, Herr Zaunkönig präsentiert mir seine Familie und ist stolz auf sie. In unserem Gingko befindet sich jedes Jahr nach dem Blätterfall zu sehen, ein winzig kleines Nest in einer Astgabel ziemlich in der Spitze des Baumes versteckt. Dort haben wohl beide Zaunkönigseltern die Kinder großgezogen. Sie suchen ganz verschiedene Nistplätze auf, bevorzugt in Hecken und Sträuchern, wenn sie versteckte Plätze darin finden.

Das Zaunkönigmännchen baut mehrere Nester und lässt dann das Weibchen auswählen, welches sie beziehen möchte und zum Brüten bevorzugt. Huscht ein Zaunkönig an mir vorbei, bin ich ganz besonders erfreut, ihn zu sehen.

Für das Jahr 2004 ist der Zaunkönig zum Vogel des Jahres gewählt worden.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 18.11.03|08:53 AM GMT+1 [Eintrag]


Montag, 17. November

Doris Runge


Ein kurzer Lebenslauf von Doris Runge und Veröffentlichungen von ihr:

Doris Runge

Geboren 1943 in Carlow/Mecklenburg.
Sie lebt und arbeitet im holsteinischen Cismar.
Stationen u.a.: Studium in Kiel. In Spanien verbrachte sie mehrere Jahre ihres Lebens.
1997 Liliencron-Dozentur der Universität Kiel.
Arbeitsgebiete: Lyrik

Auszeichnungen/Ehrungen/Preise (Auswahl): Friedrich-Hebbel-Preis. Sie bekam ihn für ihren 1. Gedichtsband 1985. Lyrikband jagdlied.
Hölderlin-Preis (1997). Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein (1998).
Veröffentlichungen (Auswahl): jagdlied (1985, DVA).
kommt zeit, Gedichte (1988, DVA).
wintergrün, Gedichte (1991, DVA).
grund genug, Gedichte (1995, DVA).
Welch ein Weib! Mädchen- und Frauengestalten bei Thomas Mann, Essays(1998).
trittfeste schatten, Gedichte (2000, DVA).
aber ich breche dir wörter wie brot. Hrsg. von Heinz Gockel. 111 S. 1999. 2,60 €. Doris Runge
du also, Gedichte, DVA

Veröffentlichungen von Gedichten mit den Titeln: jahreszeiten, frühling im park, mai, ertrunkener sommer, sommerfrische, september, und mein hier präsentiertes Gedicht „november“ aus dem Buch „Vier Jahreszeiten, Gedichte, Reclam Verlag.


Dietlinde Heider

Dietlinde am 17.11.03|09:24 AM GMT+1 [Eintrag]


Sonntag, 16. November

November Poesie


Die Gedichte von Doris Runge scheinen reserviert kühl, haben aber zugleich sanfte und aggressive Aussagekraft. Ich liebe die Musikalität ihrer Poesie.


November

tage
in weißen laken
wolken winde
pfeifen
hallali
das jahr zur strecke
in meiner ofenecke
den rest verschlafen

Doris Runge

Doris Runge, "November"
Aus: Doris Runge, jagdlied
(c) 1985 Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart


Mein besonderer Dank für die Rechte der Veröffentlichung auf meiner web-page gilt
Frau Susanne Seggewiß DVA, Stuttgart

Dietlinde am 16.11.03|09:03 AM GMT+1 [Eintrag]


Samstag, 15. November

Veröffentlichung von Gedichten im Internet


Ich lese gerne Gedichte. Weil ich Poesie liebe, möchte ich auch das eine oder andere Gedicht im Internet in meinem web-page-Tagebuch veröffentlichen. Die Poesie ist für mich eine Quelle der Freude. Sicher lassen sich auch im Internet Freunde der Lyrik finden, die Interesse an Gedichten haben, vor allem an moderner Lyrik.

Wegen des Urheberrechtes muß man aber bei den Verlagen um eine Lizenz zur Veröffentlichung bitten, um rechtlich abgesichert zu sein. Das gilt für Autoren von Gedichten oder Prosa, die noch nicht 70 Jahre verstorben sind.

Es ist sehr schwierig, eine Genehmigung von den Verlagen zur Veröffentlichung von Gedichten auf einer web-page zu bekommen. Gründe für eine Ablehnung:

„Wir lehnen grundsätzlich ab.“
„Wir können die Folgen einer Veröffentlichung im Internet nicht übersehen.“
„Mit den Texten wird nicht sorgfältig genug umgegangen.“
„Es sind Fehler in den Texten.“
„Die rechtliche Lage zur Veröffentlichung im Internet ist noch nicht genügend geklärt. Aus diesen Gründen halten wir uns zurück.“
„Wir kennen ihre web-page nicht. Bitte schicken sie uns eine Kopie per Brief davon.“ Die web-page www.haikulinde.de im Internet anzuschauen, war dem Verlag nicht möglich.

Deshalb habe ich mich gefreut, von der Deutschen Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart, die Genehmigung für Doris Runges wunderbarem Gedicht „November“ bekommen zu haben.
Schätze ich doch diese Lyrikerin ganz besonders wegen ihrer fantasievollen Gedichte, die viel Spielraum lassen, um über ihren Text nachzudenken. Der nächste Tagebucheintrag wird dieses Gedicht enthalten.

Dietlinde am 15.11.03|08:31 AM GMT+1 [Eintrag]


Donnerstag, 13. November

60. Haiku-Seminar am 8.11.2003 in Frankfurt/Main


Das Seminar wurde ausgerichtet von Frau Erika Schwalm, Deutsche Haiku Gesellschaft, und von der Deutsch Japanischen Gesellschaft. Dieses 60. Haiku-Seminar, an dem ich auch am Wochenende teilnahm, war ein besonders, denn 10 japanische Damen und der japanische Professor Hakucho Ito San, aus Tokio, der Lehrer des Shigi-Haikukreises, waren angereist, um sich mit unserem Haikukreis auszutauschen. Ihr Kommen galt auch als Gegenbesuch, denn unsere Gruppe hatte sie vor schätzungsweise 2 Jahren in Tokio besucht.

Professor Ito San referierte über die Unterschiede zwischen japanischen und europäischen Haiku. Goethe und Rilke nannte er als größte deutsche Dichter, die in ihrer Lyrik naturbezogen gewesen seien. Er hofft, eine Brücke zu bauen zwischen den Kulturen. Der Vortrag von Prof. Ito San erfolgte auf japanisch mit vielen Gesten und fröhlichem Gesicht, während eine Dolmetscherin übersetzte. Schön, den Höhen und Tiefen der japanischen Sprache zu folgen! In Japan gibt es eine riesige Anzahl von Haikukreisen, berühmte und weniger berühmte. Um von einem niedrigeren Rang dieses Kreises in einen höheren zu wechseln, muss man eine Prüfung bestehen, um aufgenommen zu werden.

Frau Erika Schwalm, die Leiterin unseres Seminars, fragte Prof. Ito San, ob wir Europäer auf der imaginären Brücke, die zwischen den Kulturen bestehen sollte, erst am Anfang stünden, oder ob schon vielleicht die Mitte erreicht sei. Prof. Ito San brach in schallendes Gelächter aus. Er sah den Standort der Europäer auf der Brücke der Kulturen schon so weit fortgeschritten, dass Europa schon bald das fernöstliche Ufer erreicht haben würde.

Nach diesem Vortrag überreichte Frau Erika Schwalm das Gastgeschenk für Herrn Prof. Ito San. Es bestand aus Drucken von alten Stichen, die verschiedene Soldatenuniformen aus Hessen zeigten. Prof. Ito San lachte wieder von Herzen und zeigte sich hocherfreut.

Nun begann das freie Haikudichten. Das Überraschungsthema hieß „Laub“. Die Shigi-Haikugruppe sowie auch unsere Gruppe verfassten eifrig Haiku. Die japanischen Damen hatten kleine Scheren zur Hand und schnitten weiße, schmale Streifen aus Papier, auf die sie ihre Haiku in schönsten japanischen Schriftzeichen malten.

Die japanischen Damen und Prof. Ito San standen auf, nannten ihren Namen und lasen ihre Haiku vor, was auch unsere Gruppe tat. Zum Übersetzen war dann leider keine Zeit mehr, weil es in das nahegelegene Restaurant „Eat and Art“ ging, wohin die Shigi-Gruppe von uns eingeladen war. Dort hatten sie selbstangefertigte Shigi-Haiku für uns ausgestellt und zum Kauf angeboten. Ein interessantes, eher außergewöhnliches Haiku-Seminar war zu Ende gegangen.

Ein „Laub-Haiku“, das ich im Seminar geschrieben habe, möchte ich hier gerne noch präsentieren:

Rascheln im Herbstlaub,
ein kindliches Vergnügen,
das die Natur schenkt......

Dietlinde Heider

Dietlinde am 13.11.03|08:39 AM GMT+1 [Eintrag]


Dienstag, 11. November

Martinstag am 11. November


Schöne Erinnerungen verknüpfen sich mit diesem Tag. Unsere beiden Kinder, Silke und Jens, liebten den Martinszug, der in jedem Jahr am 11. November in Kriftel stattfindet und sich aus einer langen Prozession von Kindern und deren Eltern und anderen Teilnehmern zusammensetzt.

Schon Wochen vorher wurde im Kindergarten an der Laterne für den Zug gebastelt. War sie dann endlich fertig, stieg die Spannung. Der Treffpunkt für den Zug war an der Linde in der Frankfurter Strasse. Bäckermeister Kilb Senior repräsentierte auf einem Pferd sitzend mit besagtem Umhang den Sankt Martin. Er führte den Zug an. Als es langsam dunkelte, wurden die Kerzen in den Laternen angezündet und der Zug setzte sich in Bewegung unter dem Gesang der Kinder: „Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir“..... Das Ziel war eine kleine Kapelle in der Nähe des Obsthofes. Liedertexte wurden verteilt und singend erreichten wir den Holzstoß an der Kapelle, vor dem Sankt Martin mit seinem Pferd stehen blieb. Der Holzstoß wurde angezündet. Er knisterte, sprühte Funken und verströmte ordentlich Hitze. Ich erinnere mich noch genau, dass ich mir an meiner Vorderseite wie geröstet vorkam, die Gesichter der Kinder glühten, während unsere Rückseiten vom langen Stehen auskühlten.

War das Feuer fast heruntergebrannt, gingen Eltern und Kinder in Grüppchen mit ihren Laternen, teilweise leicht angekohlt, die Laternen natürlich, erzählend zu besagtem Bäcker Kilb um sich eine gebackene Martinsgans zu kaufen. Sie wurde noch unterwegs wenigstens angeknabbert und gekostet, ob sie den Erwartungen vom Vorjahr entsprach. Sie bildete den Abschluß des Gedenktages an Sankt Martin.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 11.11.03|08:37 AM GMT+1 [Eintrag]


Sonntag, 9. November

Espenlaub


Heute fiel mir eine Espe bei meinem Spaziergang besonders auf, nicht nur optisch, sondern auch akustisch. Nahm ich doch eine wunderbare Melodie wahr, als ich vor ihr stand und sie bewunderte. Sie ist von großem Wuchs und dreigeteilte, dicke Äste bilden ihre Krone. Der Stamm, von dem diese ausgehen, hat einen ordentlichen Umfang und ich schätze sie auf gut 50 Jahre. Ein leichter Wind spielte mit ihrem Blätterkleid, das sich aus langstieligen kleinen Blättchen zusammensetzte. In diesem Herbst war ich von ihrer Farbenpracht überrascht. Beginnend mit grün bis hellgrünen Blättchen am unteren Rand ihrer Krone, setzten sich kräftigere Farben von Gelb bis Hellgelb fort und in den Spitzen der Äste ging das zarte Gelb in schönstes Roseé über. Ein prachtvoller Anblick bot sich mir, und ich blieb staunend vor ihr stehen, hatte ich sie doch in ihrem einfachen grünen Blätterkleid kaum beachtet. Nun schien sie mir wirklich ungewöhnlich beeindruckend.

Ein leichter Wind bewegte dieses bunte Blattwerk zärtlich, so dass es wie ein Zittern der Blättchen aussah und das Auffälligste dabei war die Melodie, ein Klang, den der Wind im Laub der Espe hervorrief, den ich in dieser Weise noch nie wahrgenommen hatte. Kein Rauschen oder Rascheln, eher ein Flüstern wäre die richtige Beschreibung dafür. Eine zarte gehauchte Melodie der Espe überraschte mich. Staunend hörte ich eine Weile zu, um mir die Espen-Meldodie einzuprägen und ihr zartes Blattspiel zu bewundern, das der Windhauch begünstigte.

Mein optischer, mein akustischer Sinn war angeregt. Nun kam noch die Neugierde des Tastsinns dazu, die erwachte, und ich wollte gerne die Eigenart ihres Stammes erfühlen. Ich war überrascht. Vollkommen glatt fühlte sich ihre Rinde an. Kühle spürte meine warme Hand auf seidiger Oberfläche.

Nun kenne ich die Espe ein wenig genauer und freue mich über das sinnenreiche Erlebnis dieses Herbsttages.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 09.11.03|08:59 AM GMT+1 [Eintrag]


Freitag, 7. November

Reise nach dem Süden


In die Zeit Ende Oktober, Anfang November fällt die Abreise der Stare. Ich freue mich immer, wenn ich den Sammelplatz ausfindig machen kann. Bis jetzt war er in jedem Jahr an einer anderen Stelle. Im Vorjahr hörte ich aufgeregtes „Schwätzen“ der Stare in einer riesig langen Hecke aus verschiedenen Beerensträuchern. Am Himmel sah ich immer wieder Grüppchen von 10 bis 15 Staren, die aus allen Himmelsrichtungen kamen. Ihre Artgenossen warteten schon in der Hecke, wo sie sich an den Beerenfrüchten wohl ein letztes Mal vor dem Abflug stärkten. Immer wieder flog ein Schwarm Stare aus der Hecke hoch, kreiste kurz darüber und fiel wieder mit viel Lärm in die Hecke ein. Ich denke, dass das ein Zeichen sein sollte, dass dort der Sammelplatz ist und andere Stare so auf diesen Platz aufmerksam gemacht werden sollten, falls sie sich dem Vogelzug anschließen wollten. Einige Stare überwintern auch hier in Kriftel. Es ist nicht bekannt, warum der größte Teil abfliegt und einige aber ihre Heimat den ganzen Winter über nicht verlassen.

Immer wieder kommen neue Scharen von Staren. Ich nahm mir viel Zeit, um den Abflug nicht zu verpassen und wartete geduldig, indem ich lange Zeit dort auf und ab spazierte. Nachdem sich das „Schwätzen“ der Stare immer noch verstärkte, nahm ich plötzlich das Schwingen vieler tausend Flügel wahr und eine schwarze Schleierwolke erhob sich und die ganze Schar setzte sich in Bewegung und flog ab. Ich war fasziniert von dem Anblick dieser schwarzen Schleierformation von Staren.

Später sah es durch kleine Flugrichtungsänderungen des Starenschwarms so aus, als wehe der Wind in diesen Riesenschwarm und der Schleier flattere in der Luft. In dieser Weise erlebte ich den Abflug im vorigen Jahr.

Vor einigen Tagen suchte ich wieder die beschriebene Hecke auf, wie auch schon eine Woche davor. Dort tat sich gar nichts. Also spazierte ich weiter in die Felder hinein und traute meinen Augen kaum, als ich auf einer Wiese ganz in der Nähe einen sehr, sehr großen schwarzen Fleck wahrnahm und in der Luft wieder Grüppchen von Staren, die dort landeten. Also diesmal war der Versammlungsplatz zum Abflug hier auf der großen Wiese. Wie im Vorjahr flogen auch diesmal Schwärme auf, landeten wieder, neue kleine Gruppen gesellten sich zu der großen schwarzen Schar. Die Wiese war sehr gut zu beobachten, und ich hoffte insgeheim, dass der Abflug, es war so gegen 11 Uhr vormittags, bald stattfinden würde, und ich das Schauspiel wieder beobachten könnte. Wer wohl den Wink zum Aufbruch gibt? Plötzlich, wie auf Kommando erhob sich der riesige schwarze Fleck von der Wiese und mit
viel „Geschwätz“ und diesen Geräuschen der Flügelschläge, setzte sich die ganze Vogelschar
in Bewegung, und wieder hatte ich die Gelegenheit zu sehen, wie mühelos diese schwarzen Schleier am Himmel flatterten, wie sie immer kleiner wurden bis sie aus meinem Blickfeld entschwunden waren. Ich wünschte ihnen in meinem Herzen eine gute Reise, und dass sie im nächsten Frühjahr wieder wohlbehalten ankommen sollten. Im Geiste sah ich sie schon wieder in der Sonne sitzen, schwarz, mit purpurfarbenem, grünem und blauem Glanz ihres Federkleides, das im Herbst auffallend weiß getüpfelt ist, fröhlich plaudernd und pfeifend. Richtig froh war ich wieder, dass ich dieses Erlebnis des Abflugs der Stare beobachten durfte und den Sammelplatz rechtzeitig ausfindig gemacht hatte.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 07.11.03|09:17 AM GMT+1 [Eintrag]


Mittwoch, 5. November

Heute, ein Herbsttag nach Maß


10 Grad plus, die Tagestemperatur am Vormittag. Die Wolken schwarz, türmen sich am Himmel auf. Ein Glitzerband von weißen Wolken, das am Rand sonnenbeschienen ist, zeichnet den berühmten Silberstreifen am Horizont. Ein Regenvorhang verschleiert für Momente das bunte Herbstblättermeer und schon hat der kräftige Wind die Wolken weitergeschoben und ein winziges Dreieck von blauem Himmel wird sichtbar, das aber gleich wieder von blauschwarzen Wolken zugedeckt wird. Ein neuerlicher Windstoß wirbelt gelbes Buchenlaub um meine Ohren, und ich genieße diese zarte Berührung der Blätter. Wieder einmal raschle ich durchs Herbstlaub, das von einem Ahornbaum gefallen, gelb zu meinen Füßen liegt. Die Versuchung dies zu tun, ist riesengroß und mit kindlichem Vergnügen erliege ich ihr und raschle den Parkweg entlang. Die Birken sind schon recht schütter geworden. Durch ihre Goldblätterkronen sieht man in den dunklen Himmel und ein winziges Vogelnest kommt zum Vorschein.

Ein Zauberkreis von diesmal roten Ahornblättern zeichnet sich rund um zwei Bäume auf der Wiese ab. Mein Birnbaum ist noch röter geworden in seinem Laub und nur wenige Blätter sind abgefallen. So kann ich mich noch an seinem roten Herbstkleid erfreuen. Ordentlich durchgepustet vom Wind, frische Herbstluft in den Haaren, werfe ich noch einmal einen Blick auf die Blätterfarbenpracht im Park und hoffe, dass auch morgen noch etwas von der herbstlichen Farbenfülle an den Bäumen verweilt zu meiner Freude und dass der Wind noch ein paar Tage mit dem Laub spielt.

Zu Hause am Zaun lacht mich noch eine dunkelrote, halbgeöffnete Rose an, deren frischen Duft ich schnell einatme während mein Mund von den weichen Blütenblättern der Rose sanft gestreichelt wird. Ihr hat der leichte Bodenfrost ein paar Tage zuvor noch nichts anhaben können. Ich hole sie in mein Wohnzimmer, stelle sie in eine durchsichtige, bauchige Vase, eine französische Wasserkaraffe, die ich liebe, weil sie schöne Erinnerungen an einen Sommerurlaub am Golf von Biscaya wieder wachruft.

Bestimmt ist sie eine von den letzten Rosen in diesem Jahr und ich betrachte und bewundere sie ganz besonders, weil die Freude an ihnen für dieses Jahr bis auf ein oder zwei Blütenknospen, die noch am Strauch sind, begrenzt ist. Ihr fettes grünes Laub ist ganz gesund. Kein Mehltau hat sie befallen und auch Räupchen haben sie verschont. Es ist eine robuste Sorte, duftend, und immer wieder fleißig, langstielige Blütenknospen treibend. Ein paar Tage wird sie mich noch im Zimmer erfreuen und ich möchte sie gerne ganz bewußt in meinen Gedanken als Rosen-Erinnerung mit in den kommenden Winter nehmen als Seelennahrung und aus Dankbarkeit für alle Rosenschwestern, die mir der üppige Sommer schenkte.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 05.11.03|09:21 AM GMT+1 [Eintrag]


Montag, 3. November

Morgenspaziergang


Heute ist ein etwas grauer, diesiger Tag, doch der Vormittagsherbstspaziergang ist angenehm und zeigt, dass die Vögel alle Wetter lieben. Sie sind unverzagt auf Futtersuche zwischen dem braungelben gefallenen Laub. Eine Amsel zerrt an einem Regenwurm, der aber schnell aufgibt und im Nu verspeist ist. Kohlmeisen suchen die Äste eines alten Apfelbaumes nach Futter ab. Reger Flugverkehr von Blaumeisen herrscht zu einem Balkon eines nahgelegenen Hauses, wo ein kleines Körbchen auf einer Schnur schwingt, in dem offenbar Sonnenblumenkerne verlockend leicht zu erhaschen sind.

Ein Rotkehlchen beäugt mich neugierig. Ich mag sie sehr, die winzigen Federbällchen, die sich im Winter wie eine kleine Kugel aufplustern und mit ihren kohlschwarzen kleinen Äuglein alles genau beobachten. Ich erinnere mich an einen Frühling, in dem ein Rotkehlchen zwei Wochen lang jeden Tag am Fensterbrett saß, und sein Köpfchen ganz nahe an die Fensterscheibe brachte und hereinschaute. Ich fand das sehr ungewöhnlich, und es hat sich in den Jahren danach nicht wiederholt.

Im Winter kommt es in jedem Jahr auf unsere Terrasse und pickt die Körner auf, die von den Meisenknödeln auf den Boden fallen. Die kleinen Fußspuren im Schnee sehen allerliebst aus.
Im letzten Jahr hat es sogar gelernt, nicht nur das Futterhäuschen aufzusuchen, sondern wie ein Kolibri mit schwirrenden Flügeln von den Meisenknödeln zu picken.

Nun zurück zu meinem Morgenspaziergang. Ganz erstaunt sehe ich auf einen Erdbeeracker, auf dem 8 Saatkrähen eifrig Futter suchen. So früh im Jahr habe ich es noch nie beobachtet, dass sie die Nähe der Häuser und Menschen suchen. Mit ihren kräftigen Schnäbeln stolzieren sie zwischen den Erdbeerreihen entlang und wirken ungemein geschäftig bei der Futtersuche. Keine fliegt davon. Sie sind ausschließlich darauf konzentriert, dass sie satt werden.

Jetzt fängt es leicht an zu regnen und ich beende meinen Spaziergang, ganz erfüllt von diesem kleinen Ausflug in die Natur, in der sich, wenn man aufmerksam schaut, immer wieder interessante Beobachtungen machen lassen.

Dietlinde Heider




Dietlinde am 03.11.03|10:41 AM GMT+1 [Eintrag]





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