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Gedanken zwischen Himmel und Erde


Oktober: Archiv-Übersicht der Einträge


Freitag, 31. Oktober

Ahornblätter


Auch die japanischen Haiku sind reizvoll, weil sie aus einem anderen Kulturkreis stammen und sich von den europäischen neuzeitlichen Haiku unterscheiden.
Ein herbstliches, zur Jahreszeit passendes Haiku wählte ich aus.


Ahornblätter

Wie beneidenswert
werden Ahornblätter schön,
eh’ sie untergehn!

KAGAMI SHIKO (1664-1731)


Ich habe dieses mich sehr anrührende Haiku einem wunderschön gestalteten Bändchen
mit dem Titel:
„VOLLMOND UND ZIKADENKLÄNGE“
Japanische Verse und Farben
aus dem Sigbert Mohn Verlag
entnommen.
Vor einem Jahr etwa erwarb ich es antiquarisch, und es gehört zu einem meiner Lieblingsbücher der japanischen Haiku-Lyrik.
Es enthält 27 der schönsten japanischen Malereien von Seidenbildern, Aquarellen und Tuschezeichnungen in sehr zarter und liebevoller Ausführung.
Das Titelbild heißt: „Chrysanthemen und Ahorn am Bach – Farben auf Papier“ und ist mit
japanischen Schriftzeichen künstlerisch verziert.

Gerolf Coudenhove, allen Haiku-Kennern bekannt als Experte dieser Lyrik, schrieb das Vorwort zu diesem Büchlein und auch begleitende und erklärende Texte.

Dieses Haiku-Bändchen stellt wirklich eine kleine Kostbarkeit für alle Haiku-Freunde, fernöstlicher Kultur dar und erfreut mich immer wieder.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 31.10.03|10:19 AM GMT+1 [Eintrag]


Donnerstag, 30. Oktober

Ulla Hahn, eine von mir sehr geschätzte Schriftstellerin und Lyrikerin


„Das verborgene Wort“, ein Nachkriegsroman, in dem Ulla Hahn ihre Kindheit beschreibt, habe ich von ihr gelesen. Es hat mich tief berührt. Immer findet Ulla Hahn in schwierigen Zeiten ihres Erwachsenwerdens eine Möglichkeit, durch ihre Phantasie die Probleme zu lösen, die sie fast erdrücken. Man leidet mit ihr mit, bewundert sie aber gleichzeitig, weil sie kreativ auf ihre Schwierigkeiten zugeht und sie mit ungebrochenem Vertrauen überwindet.

Dieter Borchmeyer lobt ihre "visionäre Kraft" und "überquellende Sprachfantasie" in ihrem Roman.



Heute möchte ich Ulla Hahn als Lyrikerin mit folgendem Gedicht vorstellen:

Anfang Oktober

Du schenkst mir Rosen und behältst den Strauch
und Äpfel die ein Wind herunterriß in deinem Garten
und keinen Baum kein Haus kein Kind dein Wort
löst sich in ferne Vogellaute auf

Ich sage bleib noch öfter als bisher
und laß dich gehen
Die reifen Beeren von den Ebereschen
ergreift der Vogel weit trägt er sie fort.

Ulla Hahn

Ulla Hahn, "Anfang Oktober"
Aus: Ulla Hahn, Unerhörte Nähe
(c) 1988 Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart

Mein besonderer Dank für die Rechte der Veröffentlichung auf meiner web-page gilt
Frau Susanne Seggewiß DVA, Stuttgart

Dietlinde am 30.10.03|09:58 AM GMT+1 [Eintrag]


Mittwoch, 29. Oktober

Alles hat seine Zeit, auch die Rosen.


Vergangen ihre Schönheit, ihre Farben und ihr Duft.
Erinnerungen werden zu Träumen.
Nasskalte Zeit lässt unsere sonnigen Gedanken an den farbenprächtigen, heißen Sommer frösteln.
Abschied ist angesagt.
Leicht wehmütig mein Lächeln!
Werden und Vergehen zwischen Himmel und Erde!
Aber nicht nur Wehmut ist ein Gefühl, das sich einstellt, auch die Dankbarkeit
und die Hoffnung wachsen in uns.
Das Neue schon im Welken und Vergehen zu erahnen, zu wissen, daß das nächste Jahr
fruchtbringend sein wird, setzt unser Vertrauen in das, was kommen wird, frei.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 29.10.03|04:39 PM GMT+1 [Eintrag]


Dienstag, 28. Oktober

Der alte Birnbaum


Jetzt endlich weiß ich es, dass ich schon lange eine kleine Geschichte über den alten Birnbaum schreiben wollte, weil ich ihn seit vielen Jahren schätze und immer, wenn ich an ihm vorbeigehe, erfreue ich mich an seiner Standhaftigkeit. Kein Wind und Wetter, auch nicht die Kälte und die Hitze, setzen ihm zu.

Im Herbst, in seinem bunten, roten Blätterkleid, gefällt er mir ganz besonders gut. Sein Wuchs ist recht bizarr, einige Äste sind dürr, aber groß, sehr groß und sehr, sehr alt ist er schon. Er steht in einem kleinen Park und oft beschleicht mich die Angst, wie lange er noch da stehen bleiben darf. Die Menschen in ihrem Nutzdenken könnten ihn anders sehen als ich.

Auch die Vogelwelt liebt ihn. Ein Grünspecht besucht ihn regelmäßig am Vormittag und macht reiche Beute. Er findet in dem rissigen Stamm des Birnbaums, in den oft morschen Astlöchern, reichlich Insekten, Würmchen, Larven von Raupen und Spinnen.

Der Grünspecht ist prächtig gefärbt und jetzt im Herbst paßt er sich vollkommen dem Blattwerk der Birne an. In seinem grünen Federkleid mit der roten Kappe auf dem Kopf sieht er farbenfroh aus.

Der kleine Park von dem ich sprach, ist nicht weit von unserem Haus entfernt und oft höre ich den Grünspecht lachen, denn die Töne, die er von sich gibt, hören sich wie ein lautes Gelächter an. Manchmal sehe ich ihn im Blattwerk des Baumes gar nicht, aber seine Arbeitsgeräusche, sein Hämmern, das er mit seinem Schnabel mit einem lautstarken trrrrrrrrr,
trrrrrr zuwegebringt, verrät ihn. Ich habe auch das Gefühlt, daß er gar nicht besonders scheu ist. Ich kann sehr nahe an den Birnbaum herangehen und versuchen ihn mit meinen Augen zu entdecken, und nie fliegt er weg, sondern arbeitet ungestört an seinem Frühstück oder Mittagessen weiter. Auch andere Vögel im Baum stören ihn nicht. Buchfinken, Kohl- und Blaumeisen schätzen meinen alten Birnbaum auch. Heute waren Stare und Amseln in seiner Krone auf Futtersuche. Ein paar Grünfinken hielten gebührenden Abstand von drei vornehmen, hellgrauen Tauben mit schwarzem Ringlein um den Hals und suchten zwischen gelbem Ahornlaub nach Futter.

Jeder, der die Vogelwelt liebt, wird spüren, welch wundervolles Paradies der kleine Park für unsere gefiederten Freunde darstellt und wie wichtig der alte Birnbaum, ja wie unerlässlich es ist, auch alten Bäumen Raum zum Leben zu lassen im Sinne einer Gemeinschaft, die für Mensch, Vogel und Baum wichtig ist.

Ich habe jetzt ein wunderbares Gefühl, weil diesem alten Birnbaum endlich einmal die nötige Beachtung geschenkt wurde, und ich sein Dasein in dieser kleinen Geschichte festgehalten habe, mir zur Freude und für alle anderen, die alte Bäume schätzen, so wie ich.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 28.10.03|09:14 AM GMT+1 [Eintrag]


Montag, 27. Oktober

Gartenparadies


Wir suchen eine Oase des Friedens. Die hektische Welt hinter uns lassend, kommen wir nach Hause. Wir sehnen uns nach Ruhe und Frieden. Die Tür in den Garten öffnen wir, um wieder unseren Augen den Spaziergang durch den Garten zu gönnen. Er wird uns zur Quelle unseres Seins, wenn auch die Seele dort angekommen ist. Liebevoll haben wir unser kleines Paradies gestaltet. In allen Kulturen, zu allen Zeiten waren Menschen bestrebt, sich einen Ort der Besinnung, der Harmonie, einen Garten Eden zu schaffen. Einen Hort, in den wir uns zurückziehen, entspannen und träumen können. Ein Paradies aus Pflanzen schaffen, Früchte und Gemüse ernten, das liebt der Gartenfreund. Das Gestalten unseres Gartens ist auch ein Abbild unseres Lebens.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 27.10.03|03:19 PM GMT+1 [Eintrag]


Sonntag, 26. Oktober

Die Jahreszeiten wieder bewußt fühlen können.


Weil wir so beschäftigt sind mit uns, mit unseren eigenen Leistungen, entgeht uns oft, was um uns herum in der Natur geschieht. Wir sind daran gewöhnt: Es wird jeden Tag wieder hell, die Jahreszeiten wechseln, in jedem Jahr wird es wieder Frühling. Wir sind nicht über das Erwachen der Natur, über den farbenprächtigen Herbst überrascht.
Wenn wir doch wieder bewundernd fühlen könnten, wie der Wechsel der Jahreszeiten auf uns wirkt. Das Staunen öffnet uns das Herz für die Natur.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 26.10.03|05:44 PM GMT+1 [Eintrag]


Samstag, 25. Oktober

Für Gartenfreunde


In meinem Garten kann ich meiner Wesensart Ausdruck verleihen.
Ein lebendiger Ort meiner Gefühle, ein Abbild meines Lebens und der Wandlungen scheint er mir zu sein. Das Werden und Vergehen der Jahreszeiten spiegelt sich im eigenen Leben wieder und gemahnt an die Zeitlichkeit. Zu Bildern eigenen Lebens werden Licht und Schatten.
Ein kleines Paradies, ein Ausdruck der Sehnsucht nach dem verlorengegangenen Garten Eden ist mir dieses Fleckchen Erde. Als Schöpfung von Menschenhand schenkt er mir alle Farben und Düfte, die meine Seele streicheln.

Dietlinde Heider

Dietlinde am 25.10.03|06:58 PM GMT+1 [Eintrag]


Freitag, 24. Oktober

Geschenk


In Sándor Márais Buch "Himmel und Erde", Betrachtungen, befindet sich
ein wunderbarer Text mit dem Titel "Geschenk", das mir Hans Feichtinger freundlicherweise zusandte.


GESCHENK

Und dennoch, auch heute, auch so, immer und ewig gibt
uns das Leben so reichlich! Schenkt es uns leise, mit beiden
Händen:
den Morgen und den Nachmittag, die Abenddämmerung und
die Sterne, den schwülen Duft der Bäume, die grüne Welle im Fluß, den
Widerschein eines Augenpaares, die Einsamkeit und den Lärm! Und was es
alles gibt, wie reich ich bin, wie reich beschenkt, welcher Überfluß, zu
jeder Tageszeit, in jedem Augenblick! Ein Geschenk ist das, ein
wunderbares. Bis zum Boden will ich mich verneigen, so will ich danken
dafür.

Sándor Márai "Himmel und Erde"

Sándor Márai: "Geschenk" aus: Himmel und Erde
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, 2001


Mein besonderer Dank für die Rechte der Veröffentlichung auf meiner web-page gilt
Francesca Sintini,
Adelphie Edizioni
und
Cristina Schmidt,
Piper-Verlag

Dietlinde am 24.10.03|01:15 PM GMT+1 [Eintrag]


Donnerstag, 23. Oktober

Wie vielfältig ist das Leben der Natur!


Verwundert es uns heute noch,
dass es Leben in zahllosen Variationen gibt?
Die Medizin, die Wissenschaften, haben
immer mehr Erkenntnisse und Einblicke in komplizierte
Lebensprozesse gewonnen und uns die Ergebnisse vermittelt,
es auf Einzelheiten reduziert.
Doch das Mysterium, das Wunderbare, ist geblieben,
wenn wir es selbst in der Natur erleben,
hautnah den Herbst auf uns wirken lassen
mit seiner farbenfrohen Palette der bunten Blätter,
der roten Farbtupfer, die Kirsch- und Birnbäume
nun in der Landschaft bilden.
Das Pappelgelb, das wie ein Signal in seiner lichten hellen Farbe
zwischen Erdtönen hervorleuchtet.
Sinnenfroh die Verwandlung des Sommers in den farbenprächtigen Herbst genießen mit Augen, die die Farben wahrnehmen,
mit einer Seele, die sich daran erfreut!

Dietlinde am 23.10.03|07:04 PM GMT+1 [Eintrag]


Mittwoch, 22. Oktober

Das Geheimnis atmet überall.


Suche es nicht zu weit, um es zu entdecken.
Der Wind spielt über dem Wasser und das Schilf winkt jedem Vogel und jeder Wolke zu.
Du hörst die Melodie der schwankenden Ufergräser.
Schilf, Wind und Wolken verzaubern dich.
Die Natur spricht zu dir.
Ihre Sprache wird dir vertraut, wenn du zuhören lernst und daraus die Töne der Natur,
die du wahrnimmst, zu einem Lied komponierst,
dessen Klang dir Harmonie und das Geheimnis enthüllt und offenbart.

Dietlinde am 22.10.03|10:47 PM GMT+1 [Eintrag]


Dienstag, 21. Oktober

Ein Baum, ein Freund für den Menschen.


Ein Baum, eine Welt für sich, ein Kosmos im Kleinen.
Eine Welt von Erfahrungen und von Weisheit.
Er bietet Schutz und Schatten.
Er ist ein Freund, dem man sein Herz ausschütten kann.
Er ist ein Sinnbild für das Verwurzeltsein, für Standfestigkeit.

Wie schnell ist ein Baum einfach verschwunden. Von einem Tag zum anderen.
Umgehauen, roh fortgeschleift. Als ob er ein Verbrechen begangen hätte.

Eine Welt zerstört, die es nicht mehr gibt. Wer kennt ihn noch. Wer erinnert sich an ihn. Wer erzählt seine Geschichte.

In Afrika sind die Menschen noch intensiv mit der Natur verbunden.
Sie ehren und achten sie. Ich bewundere die Holzschnitzkunst dieser Menschen
und interessiere mich für ihre Kultur. Dort ist es üblich, wenn man einen Ast von einem Baum aussucht, den man zum Schnitzen verwenden möchte, dass man sich unter den Baum stellt und ihm erklärt, was man vorhat, daß es einem leidtut, ihm wehzutun, indem man nun einen Ast zum Schnitzen von ihm, dem Baum abschneiden muß. Man bittet ihn um Verständnis. Zum Zeichen der Wahrheit solch einer Aussage, beginnt der Künstler seine Figur unter dem Baum sitzend zu schnitzen. Er zeigt dem Baum, was für ein Kunstwerk er daraus erschaffen möchte. Er ehrt damit den Baum, indem er ihn als ein ebenbürtiges Lebewesen achtet und schätzt. Diese Art mit der Natur umzugehen, wäre auch für uns nachahmenswert. Mit der Natur in Übereinstimmung und Gleichklang zu leben, läßt auch Frieden und Harmonie in unsere Herzen fließen.

Der Baum

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht´s eine Viertelstunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.

Eugen Roth





Dietlinde am 21.10.03|07:21 PM GMT+1 [Eintrag]


Samstag, 18. Oktober

Eine Blickrichtung auf die Philosophie


»Philosophieren fängt mit dem Staunen an“, erklärte Platons großer Schüler Aristoteles,
weil auch Platon den Ursprung der Philosophie im „Staunen“ sah.

Was bedeutet denn das Wort Philosophie? Seinem griechischen Ursprung nach bedeutet es Weisheits- oder Wissenslehre. Heraklit und Herodot haben diesen Begriff geprägt.
Platon und Aristoteles betrachteten die Philosophie als Wissenschaft. Man konnte sich durch sie Wissen aneignen.

Das staunende Erleben des Meeres wurde für Adalbert Stifter zum Wendepunkt seines Geisteslebens. Es erwachte in ihm die Sehnsucht, das 'ewige Meer' nie mehr ganz aus den Augen zu verlieren. Er hatte den Wunsch, fortan sein kleines Leben in der Gegenwart des großen Gottes zu leben.

Nach dieser kleinen Einleitung nun ein Haiku, das bei mir auch oft durch eine Entdeckung von etwas Wunderbarem in der Natur entsteht.


Morgentaurose
im Glitzerlicht der Sonne
transparent durchstrahlt.


Quelle der Philosophie ist das Staunen und die Verwunderung.

Mein Haiku ein philosophischer Ansatz und Poesie!

Dietlinde

Dietlinde am 18.10.03|07:47 PM GMT+1 [Eintrag]


Freitag, 17. Oktober

Seide, von Alessandro Baricco


Ist euch das Buch S E I D E, von Alessandro Baricco bekannt?
Mich hat es begeistert.
Er schreibt zu seinem Buch:
„Ich wollte eine Geschichte schreiben, wie weiße Musik,
eine Geschichte, die klingt wie die Stille.“

Das ist ihm mit dieser
Parabel auf die Liebe gelungen.

Ich würde mich freuen, über Kommentare zu diesem wunderbaren Buch.

Herzlichst
L i n d e

Dietlinde am 17.10.03|04:16 PM GMT+1 [Eintrag]


Mittwoch, 15. Oktober

Worte, die verwandeln.....


Schönheit und Vergänglichkeit des Seins

Dort gibt es verkommene Disteln
mit kleinen violetten, traurigen Köpfen, Disteln, die so,
ohne zu überlegen, in die Höhe gewachsen sind,
Birken sind dort, die ganz schütter sind,
und vielleicht sind sie’s den ganzen Sommer gewesen -,
aber jetzt sieht es aus, als wären sie mit Absicht
und Freude so, und die Wolken ziehen hinter ihnen,
und man sieht alles durch sie durch, was in den Himmeln geschieht.
Und es geht so ein nachdenklicher, welker Duft umher wie von Blumen,
die die Sonne getrocknet und die der Wind gepresst hat,
und es ist Herbst. Und deshalb gehe ich
jetzt oft dort auf und nieder und meide den Platz
unterm Nussbaum und alle meine sommerlichen
Wege; denn ich will den Herbst

(Brief 1904)

Rainer Maria Rilke
aus dem Buch:
„Worte die verwandeln“
Herderverlag

Rilke, der den Herbst liebt, ein poetisches Bild malt mit nachdenklichem, welken Duft,
und die Vergänglichkeit des Seins in Schönheit verwandelt.
Ich bin verzaubert von der Zartheit seiner Gedanken, der Intensität dieses Textes und der Wirkung, die diese Zeilen auf mich ausüben.

Herbstfarben wünsche ich euch, Rascheln im Laubteppich am Weg und die kindliche Freude daran!

Herzlichst
Dietlinde

Dietlinde am 15.10.03|08:52 AM GMT+1 [Eintrag]


Dienstag, 14. Oktober

Ein ganz besonderes Herbstlied



Dieses Herbstlied hat mich zum Nachdenken angeregt.
Es ist eine andere Blickrichtung auf den Herbst, als die man sonst gewohnt ist.

Herbstlied

Ich mag den Herbst - mehr als den Mai
Weil er zur Höhe führt.
Wenn jeder Baum jetzt Blatt um Blatt verliert
Und goldenes Verglühen mich berührt,
wenn alles stürmt: vorbei, vorbei,
dann wird der Blick zum Himmel frei.

Der kahlen Äste edle Leere
Entlässt die Farben leicht.
Und wiegend, sanft, veratmend weicht
Zur Erde, was der Erde gleicht,
damit ihr alles ganz gehöre
und nichts den Blick nach oben störe.

Ich mag der Bäume stilles Stehen
Und schweig ihr Schweigen mit
Darin versunken lockt das Lied
Des Nichts, aus dem die Fülle tritt.
In allem herbstlichen Vergehen
Ruft mich das große Auferstehen !

[Wolfgang Schneller in Christ in der Gegenwart
42, 55. Jahrgang, 19.10. 03, Seite 360]

Die Poesie dieses Gedichtes:

„Ich mag der Bäume stilles Stehen
und schweig ihr Schweigen mit....“

rührt mich ganz besonders an.

Ich wünsche euch einen wundervollen Herbsttag!

Herzlichst
Dietlinde

Dietlinde am 14.10.03|02:41 PM GMT+1 [Eintrag]


Montag, 13. Oktober

Spaziergang im Herbst


Gestern habe ich einen wunderbaren Herbstspaziergang unternommen.
Mit dieser Impression möchte ich meine Stimmung ausdrücken, die der Herbst in mir hervorruft.

Spaziergang im Herbst

Blick auf den Feldberg-Turm vor mir....
Mit dem Kopf im Herbstwind
Die Haare flattern und verwehen
Mit den Augen in den Wolken
Als dunkle Ungetüme besetzen sie den Horizont
Mit den Füßen auf dem Feldrain
zwischen Felsenbirnen, Hagebutten und Brombeersträuchern
So ungestüm und bunt ist der Herbst
Geschaukelt von Wolkenschiffen
Bin ich
Mit dem Herz im Himmel......

Dietline Heider
smile
Dietlinde am 13.10.03|10:54 AM GMT+1 [Eintrag]


Sonntag, 12. Oktober

Eröffnung


Hallo erst mal, ihr Lieben!!!!

Ein kleines Experiment starte ich hier mit meiner "BLOG-Schrift".
Ich werde ab und zu Gedanken zu meinem Tagesgeschehen, Naturbeobachtungen bei Spaziergängen, oder über Erlebnisse, die mich erfreut oder berührt haben berichten. Ihr könnt jederzeit einen Kommentar abgeben und mir eure Meinung zu den Einträgen hinzufügen.



Bis zum nächsten Eintrag.

Dietlinde
Dietlinde am 12.10.03|02:00 PM GMT+1 [Eintrag]


Samstag, 11. Oktober

Über mich ...


Von früher Kindheit an liebte ich es Gedichte zu lesen, mich damit zu befassen und meine Gedanken darin zu vertiefen. Ein Teil meiner beruflichen Tätigkeit war lange Zeit der Bereich der Handschriftenabteilung und das Horkheimer Archiv in der Universitätsbibliothek Frankfurt/Main.

Die ersten Haiku, die mir begegneten, waren der Auslöser für mein Interesse am fernöstlichen Kulturkreis. Nachdem ich die Technik des Aquarellierens ausprobiert hatte, begann ich mit der Japanischen Tuschmalerei, die mir eine neue Welt im Zusammenhang mit Haiku eröffnete.

Während mancher Ausflüge in die Natur kreierte ich selbst Haiku. Mich in dieser Stimmung zu befinden, ist wunderbar, und ich kann auf diese Weise meine Kreativität ausleben. Aus dieser Begeisterung gestaltete ich meine Homepage und veröffentlichte mein erstes Haiku-Buch „Rosenblätter im Licht“.
Dietlinde am 11.10.03|08:47 PM GMT+1 [Eintrag]



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