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Gedanken zwischen Himmel und Erde


Februar: Archiv-Übersicht der Einträge


Samstag, 18. Februar

Der Frühling will bestimmt kommen...




Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern -
und man ließ den Mantel offen,
und man blähte weit die Nüstern...

Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich! (Ich kann nichts dafür - stand so da)!

Erich Mühsam (1878-1934)

Er zieht sich in die Länge, unser Winter. Aber... noch ein wenig Geduld und die Frühlingsvorfreude hält Einzug. Habe ich doch heute am Morgen die Meislein ganz fröhlich zwitschern gehört. Was für eine Freude, nach der langen Stille ohne ihr helles, munteres Gezwitscher. Ich genieße die Vorfreude. Ich habe heute tatsächlich beim Spaziergang schon an einer geschützten Stelle in einem Garten wundervolle Schneeglöckchen entdeckt, die zwar geschlossen, aber ganz munter im leichten Luftzug hin und her wippten.

In der Ergänzung zu "mehr dazu" könnt ihr mein Foto zum Text betrachten.


Dietlinde am 18.02.12|10:57 AM GMT+1 [mehr dazu ...] [0 Kommentare] [kommentieren]


Donnerstag, 9. Februar

In die Kälte gezaubert...



" Eisblumen, Sándor Márai"

Diese wundervolle Betrachtung aus Sándor Márais Buch "Himmel und Erde" besitzt eine Zartheit, in der der Zauber von Eisblumen in schönster Poesie erblüht. Die Bewunderung über das Kunstwerk "Eisblume" und die Phantasie und Vielfalt in der Natur spricht aus jeder Zeile, die Márai schreibt.


Eisblumen

Richte dein Augenmerk auf das, was die Natur
zeichnet! Sieh, mit welcher Sorgfalt sie die Linien zieht!
Wie zart, mit welcher Genauigkeit sie aus
Schnee, Kälte und Eis, aus den edelsten Stoffen ihr
kleines Kunstwerk gestaltet, mit der Sorgfalt und
Eleganz eines japanischen Künstlers, der nur noch
das Wesentliche übermitteln, den Zauber der Form
zeigen will, die Harmonie und die essentiellen De-
tails! Betrachte die Eisblume am Fenster, sei demü-
tig und lerne von der unermüdlichen Bereitschaft
der Natur, denn du kannst deine Aufgabe gar nicht
sorgsam und minutiös genug erfüllen, gar nicht
tief genug eindringen in dein Inneres, in die Welt,
nicht mit genügend Skrupeln unter den Möglich-
keiten wählen. Betrachte die Eisblume, an der gar
nichts "Zweckmäßiges" ist wie sonst in materiellen
Werken der Natur - und dennoch, welche Vorstel-
lungskraft, welche Harmonie der Linien und der
Struktur haucht dir dieses winzige Kunstwerk ans
Fenster! Betrachte die Eisblume und geh in dich.

Sándor Márai: "Eisblumen" aus: Himmel und Erde
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, 2001


Mein besonderer Dank für die Rechte der Veröffentlichung auf meiner web-page gilt
Francesca Sintini,
Adelphie Edizioni
und
Cristina Schmidt,
Piper-Verlag

Unter "mehr dazu" seht Ihr mein Foto.

Dietlinde am 09.02.12|01:02 PM GMT+1 [mehr dazu ...] [1 Kommentar] [kommentieren]





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