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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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16/10/2009: "Mein Freund, der alte Birnbaum"


In Gedanken versunken wandere ich durch den kleinen Park, sehe durch die Bäume hindurch das vertraute Wolkenspiel, und plötzlich stehe ich vor ihm oder steht er vor mir ?

Es ist der alte Birnbaum, der mich schon viele Jahre in Gedanken begleitet. Oft kommt es mir vor, als ob er das Zwiegespräch sucht, wenn er sich in meine Gedanken einschleicht. In den Jahreszeiten äußerlich verändert, aber immer in der gleichen Silhouette, blinzelt er durch die taufeuchten Blätter, wenn die Sonnenstrahlen seinen nachtkalten, zerfurchten Rindenmantel erwärmen, wie er sich emporreckt und die morgensteifen Äste dem leichten Wind entgegenstreckt.
Immer, wenn ich ihn sehe, erfreue ich mich an seiner Standhaftigkeit. Er trotzt Wind und Wetter.

Im Herbst, in seinem bunten, roten Blätterkleid, gefällt er mir ganz besonders gut. Sein Wuchs ist recht bizarr, einige Äste sind dürr, aber groß, sehr groß und sehr, sehr alt ist er schon. Mich beschleicht oft die Angst, wie lange er noch stehen bleiben darf in dem kleinen Park. Die Menschen in ihrem Nutzdenken könnten ihn anders sehen als ich.

Auch die Vogelwelt liebt ihn. Ein Grünspecht besucht ihn regelmäßig am Vormittag und macht reiche Beute. Er findet in dem rissigen Stamm des Birnbaums, in den oft morschen Astlöchern, reichlich Insekten, Würmchen, Larven von Raupen und Spinnen.

Der Grünspecht ist prächtig gefärbt und jetzt im Herbst paßt er sich vollkommen dem Blattwerk der Birne an. In seinem grünen Federkleid mit der roten Kappe auf dem Kopf sieht er farbenfroh aus.

Der kleine Park von dem ich sprach, ist nicht weit von unserem Haus entfernt, und oft höre ich den Grünspecht lachen, denn die Töne, die er von sich gibt, hören sich wie ein lautes Gelächter an. Manchmal sehe ich ihn im Blattwerk des Baumes gar nicht, aber seine Arbeitsgeräusche, sein Hämmern, das er mit seinem Schnabel mit einem lautstarken trrrrrrrrr,trrrrrr zuwegebringt, verrät ihn. Ich habe auch das Gefühlt, daß er gar nicht besonders scheu ist. Ich kann sehr nahe an den Birnbaum herangehen und versuchen ihn mit meinen Augen zu entdecken, und nie fliegt er weg, sondern arbeitet ungestört an seinem Frühstück oder Mittagessen weiter. Auch andere Vögel im Baum stören ihn nicht. Buchfinken, Kohl- und Blaumeisen schätzen meinen alten Birnbaum auch. Heute waren Stare und Amseln in seiner Krone auf Futtersuche. Ein paar Grünfinken hielten gebührenden Abstand von drei vornehmen, hellgrauen Tauben mit schwarzem Ringlein um den Hals und suchten zwischen gelbem Ahornlaub nach Futter.

Jeder, der die Vogelwelt liebt, wird spüren, welch wundervolles Paradies der kleine Park für unsere gefiederten Freunde darstellt und wie wichtig der alte Birnbaum, ja wie unerlässlich es ist, auch alten Bäumen Raum zum Leben zu lassen im Sinne einer Gemeinschaft, die für Mensch, Vogel und Baum wichtig ist.

Ich habe jetzt ein wunderbares Gefühl, weil diesem alten Birnbaum endlich einmal die nötige Beachtung geschenkt wurde, und ich sein Dasein in dieser kleinen Geschichte festgehalten habe, mir zur Freude und für alle anderen, die alte Bäume schätzen, so wie ich.

Dietlinde Heider

Ich mache eine kleine Pause zwecks Erholung in der "Schwäbischen Alb" um den bunten Herbst zu genießen. Ich wünsche auch Euch eine wunderbare, herbstlich bunte Zeit.

In der Ergänzung zu "mehr dazu" könnt ihr mein Foto zum Text betrachten.

--- Ergänzung zum Thema ----------------




Herbstliches Birnbaumblatt

(c)Dietlinde Heider

-------------- Antworten: 4 Kommentare --------------

am Dienstag, 20. Oktober , schrieb Elke

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
Warum mir das wohl gerade einfällt?
Ich wünsche dir einen schönen Urlaub, liebe Dietlinde.
Elke

am Mittwoch, 11. November , schrieb Elke

Huhu Dietlinde!!!
Du bist aber schon ganz schön lange weg - lebst du noch?
Lieben Gruß
Elke

am Samstag, 14. November , schrieb Dietlinde

Hallo, liebe Elke,
erst einmal ganz lieben Dank für das wunderbare Gedicht "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland".
Ich mag es sehr!
Ja, ich bin wieder zurück aus der Schwäbischen Alb und habe wunderschöne, leuchtende, bunte, hauptsächlich rote und gelbe Herbstfarben der Bäume genossen. Das strahlende Blau des sonnigen Morgenhimmels war jeden Tag ein Geschenk. Jetzte muss ich die Fotos erst einmal durchsehen. Das eine oder andere werde ich Euch bestimmt zeigen.
Liebe Grüßchen
Dietlinde

am Sonntag, 15. November , schrieb Elke

Da freu ich mich schon drauf. Ich habe heute in meinem Garten noch erstaunlich viel Buntes entdeckt.
Lieben Gruß und noch einen schönen Sonntagabend.
Elke


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