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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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08/05/2004: "Einkaufen - Kindheitserinnerungen"


Gerne ging ich für die Familie einkaufen. Mal sehen, ob ich mich noch an die Geschäfte erinnern kann, die es in unserem Ort gab. Da war das Eisenwarengeschäft "Stahl" und die Metzgerei "Lange". Peschek war ein Lebensmittelladen in unserer Nähe. Aber am liebsten ging ich zu "Wallisch" einkaufen. Dort stand am Ladentisch eine Büchse mit großen Gurken und daneben lag auf einem Tellerchen eine Holzzange, um die Gurken herauszufischen. Am Ende meines Einkaufes durfte ich mir oft eine saure Gurke für 10 Pfennig kaufen. Die packte Herr Wallisch in Butterbrotpapier und ich behielt sie in der Hand. Am Nachhauseweg, zwischen den Häusern, wickelte ich die Gurke aus und verspeiste sie mit größtem Vergnügen.

Saure Gurken war eine Leidenschaft von mir und Mohrenköpfe eine andere. Für Tetanusspritzen und jegliche Impfungen gab es immer einen Mohrenkopf als Trost. An einem Geburtstag von mir hatte ich mir einmal zum Abendbrot Mohrenköpfe gewünscht und es hieß, ich dürfe so viele essen, wie ich wollte. Leider mußte ich nach dem 2. schon kapitulieren, und dann hatte ich wirklich für eine ganze Zeit keine Lust mehr auf Mohrenköpfe. An jedem Geburtstag von mir gab es "Kalten Hund", Kekse und Schokolade geschichtet in einer Kastenform. Der gehörte immer dazu. Ihn hatte ich schon ganz vergessen. Erst durch die Mohrenkopfgeschichte fiel er mir wieder ein. Der "Kalte Hund" war aber auch so gehaltvoll! Von ihm konnte ich auch immer nur eine halbe Scheibe essen. Dann ging nichts mehr. Trotzdem, schöne Erinnerungen!

Dietlinde Heider

-------------- Antworten: 6 Kommentare --------------

am Samstag, 8. Mai , schrieb Biggi

Guten Abend, liebe Dietlinde,
wie immer wecken deine Kindheitserinnerungen auch bei mir welche smile Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich immer als kleines Mädchen mit einer Milchkanne zum Milchmann gegangen bin. Oft ist ein Nachbarsjunge mit mir gemeinsam gegangen und der hat auf dem Rückweg immer die gefüllte Milchkanne ohne Deckel mit dem Arm kreisen lassen. Mich hat das unheimlich fasziniert, weil er es schaffte, dass kein Tropfen Milch verschüttet wurde. Irgendwann hab ich es auch mal probiert und bei mir ist es natürlich prompt misslungen. Ich bin dann mit dem kleinen Rest Milch heulend nach Hause und meine Mama hat auch geschimpft.
Bei uns war das Geld immer sehr knapp und ich habe nicht so oft Süßigkeiten bekommen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich heute so verrückt danach bin wink Manchmal bekam ich einen Groschen für ein Eis und ich bin dann richtig weit gelaufen, weil es dort eine etwas größere Eiskugel gab als bei uns in der Nähe.
Kalten Hund kenne ich auch noch gut und ich hab das süße Zeug geliebt. Ganz am Anfang meiner Ehe hab ich ihn sogar noch ab und zu gemacht. Ich wüsste nicht, ob ich so etwas heute noch essen könnte wink
Meine Kinder erzählen immer von ihrer Frau Schmidt. Bei Frau Schmidt gibt es heute noch diese großen Bonbongläser und noch heute stehen die kleinen Knirpse - genau wie meine Kinder damals - davor und können sich nicht entscheiden, wieviel Bonbons sie von welcher Sorte nehmen sollen. Meine Jungs sagen heute immer, sie haben bei Frau Schmidt vor den Bonbongläsern Rechnen gelernt smile
Ich wünsche dir einen richtig schönen Sonntag, meine liebe Dietlinde.

am Sonntag, 9. Mai , schrieb Dietlinde

Liebe Biggi,
Du hast wunderbar erzählt, wie es Dir ergangen ist in Deiner Kindheit und die Geschichte mit dem Milchholen ist besonders nett, wenn sie auch für Dich sehr unangenehm ausgegangen ist, und auch die Frau Schmidt gefällt mir ganz besonders, denn sie scheint obendrein noch eine wunderbare Pädagogin gewesen zu sein. Schön, dass sie in Eurer Erinnerung so lebendig geblieben ist.
Das Stichwort "Milchholen" hat bei mir auch wiederum eine Erinnerung aus der Kindheit geweckt.
Ich hatte diese Aufgabe auch. Der einzige Bauer, Herr Frech, aus unserem Ort, hatte seinen Hof am Rande der Gemeinde und es waren gut 25 Minuten bis dorthin. Es gab zwei Wege, die dorthinführten. Der ein, der legale und ein anderer, ein Schleichweg durch Wiesen und Stacheldraht, der eine Abkürzung war. Ich wählte natürlich immer die Abkürzung und mußte mich dann mit der vollen Milchkanne durch den Stacheldraht schlängeln und das war auch immer ein kleines Kunststück, bei dem es galt, keine Milch zu verschütten. So weit ich mich noch erinnern kann, gab es dabei keine größeren Pannen.
Viel schlimmer war es für mich, den Gänsen auf diesem Hof zu begegnen. Ich mochte sie nicht und sie mich auch nicht. Wenn ich sie irgendwo erblickte, rannte ich schon los und ein langer Hals der Gans, der auch noch wütend zischte, verfolgte mich und kam immer näher. Geschnappt hat sie mich nie, aber knapp war es immer, um diesem Federvolk zu entgehen. Liebe Biggi, Du hast sie wachgerufen, diese Erinnerung und sie wollte unbedingt erzählt sein. Danke für Deinen netten Anstoß.

Lass es Dir gutgehen, heute am Sonntag, liebe Biggi und genieße den Tag.
Tschüssli
Dietlinde

am Dienstag, 11. Mai , schrieb Laura

Liebe Linde,
danke für meine Kindheitserinnerung:

Bei uns um die Ecke war so ein kleiner,
heute sagt man „Tante Emma“ Laden,
aber dort war man bei Frau Küsters.
Frau Küsters war die netteste Frau,
die ich in meiner Kindheit gekannt habe.
Sie hat nämlich mehr verschenkt, als verkauft!
Was ich für Mutter gekauft habe,
wurde in ein kleines Buch geschrieben
und einmal die Woche ging meine Mutter bezahlen.
Ich möchte nicht wissen,
wie viel manche Leute der Frau Küsters heute noch schulden,
die schon so lange tot ist?
Na, Frau Küsters hatte noch eine Besonderheit,
der Mann von Frau Küsters ging arbeiten
und wenn er das Haus verließ,
ließ Frau Küsters die Kunden im Laden stehen
und ging mit ihrem Mann vor die Tür
und winkte ihm so lange nach,
bis er nicht mehr zu sehen war
und das tat sie immer, immer und immer wieder!
Ja, das war wohl noch echte Liebe,
ob es die heute noch gibt?

Liebe Grüße
Laura
big grin

am Dienstag, 11. Mai , schrieb Dietlinde

Liebe Laura,
Du hast mich so erfeut mit Deiner Geschichte von Frau Küsters aus Deiner Kindheit. Sie muss wirklich eine ganz besonders liebenswerte Frau mit einem grossen Herz für ihre Kunden gewesen sein.
Das Ritual des Abschiednehmens von ihrem Mann, wieder und wieder, wird ihr wohl ein liebevolles Bedürfnis gewesen sein, das sie sicher ausgekostet hat. Schon merkwürdig, wie sich die Zuneigung zu Menschen in verschiedenen Ritualen ausdrücken kann. Da ihre Kunden ihr Verhalten kannten, werden sie sich gar nicht mehr darüber gewundert haben.
Da Dir Frau Küsters unvergessen bleibt, werden auch wir sie, da Du uns diese herrliche Geschichte geschrieben hast, so schnell nicht vergessen.
Lieben Dank für Deinen Besuch.
Herzlichst
Dietlinde

am Mittwoch, 12. Mai , schrieb Marga Ritte

Ihr Lieben!
Bestimmt geht es Euch auch so, dass besondere Gerüche Erinnerungen in Euch wachrufen können. So ging es mir heute.
Überall auf den Rasenstreifen und Wiesen zwischen unseren Häusern wurde das Gras gemäht. Man konnte ihm ja in den letzten Tagen förmlich zusehen beim Wachsen! Kann man den Duft eigentlich beschreiben, den Duft von frisch gemähtem Gras? Es riecht eben nach grasgrün, oder? Ich liebe diesen Geruch schon seit meiner Kindheit. Heute fiel mir folgende Begebenheit wieder ein:
Als ich so 6 oder 7 Jahre alt war, besuchte ich nach dem Unterricht einen "Kinderhort", weil meine Eltern beide bis zum Abend arbeiteten. Im Kinderhort wurden unter Aufsicht gemeinsam die Hausaufgaben angefertigt und danach ging es raus zum Spielen. Alle Kinder liebten es, auf der Wiese hinter dem Haus zu spielen, ganz besonders, wenn das Gras frisch gemäht war. Wir trugen es zu einem großen Haufen zusammen und legten uns darauf, oder wir bewarfen uns damit gegenseitig. Nie werde ich diesen Duft vergessen, den das frisch abgeschnittene Gras ausströmte.
Später arbeitete ich in den Sommerferien auf einer LPG. Eines Tages musste ich auf einer großen Wiese das gemähte Gras wenden. Da war er wieder, dieser intensive Geruch. Ich warf etliche Hände voll Gras in die Luft und atmete tief ein, bevor ich begann, das Gras zu wenden. Diese Arbeit war schwer, aber ich hielt die 8 Stunden Arbeitszeit durch. Am nächsten Tag konnte ich allerdings meine Arme vor Muskelkater nicht mehr anheben und mein Rücken war steif, aber ich hatte einen herrlichen Arbeitstag auf der Wiese.
Ja, so war das damals. Ich habe heute schmunzelnd daran gedacht.

am Mittwoch, 12. Mai , schrieb Dietlinde

Liebe Marga,
da schreibst Du etwas Wunderschönes! Den Duft von frischgemähtem Gras liebe ich auch sehr. Auch von getrocknetem Gras, also Heu. Das duftet noch einmal anders, intensiv nach Kräutern und Hochsommer.
Schwer hast Du gearbeitet beim Graswenden, aber es ist Dir eine gute Erinnerung davon geblieben. Wie schön!
Sternengrüßchen!
Herzlichst
Dietlinde


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