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Gedanken zwischen Himmel und Erde


Startseite » Tagebuch-Archiv » Februar 2004 » Adalbert Stifter zum Thema: Sandkörnchen

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21/02/2004: "Adalbert Stifter zum Thema: Sandkörnchen"


Diesen wunderbaren Text zum Thema Sand habe ich von Adalbert Stifter entdeckt, und er hat mich tief berührt. Er ist eine wunderbare Ergänzung zu meinem vorhergehenden Beitrag, in dem auch ich zum Ausdruck bringen wollte, welche Wunder die Natur vollbringt, welche ungeheuren Kräfte in ihr stecken.

Adalbert Stifter, Mein Leben:
Es ist das kleinste Sandkörnchen ein Wunder, das wir nicht ergründen können. Daß es ist, daß seine Teile zusammenhängen, daß sie getrennt werden können, daß sie wieder Körner sind, daß die Teilung fortgesetzt werden kann, und wie weit, wird uns hienieden immer ein Geheimnis bleiben. Nur weniges, was unserem Sinne von ihm kund wird, und weniges, was in seiner Wechselwirkung mit anderen Dingen zu unserer Wahrnehmung gelangt, ist unser Eigentum, das andere ruht in Gott. Die großen Körper, davon es getrennt worden ist und die den Außenbau unserer Erde bilden, sind uns in ihrer Eigenheit unbekannt wie das Sandkörnchen. Sie sind, und wir sagen manches von ihnen aus, das auf dem Pfade unserer Wahrnehmungskräfte zu uns hereinkömmt.

Wir stehen vor dem Abgrunde dieses Rätsels in Staunen und Ohnmacht. Das Leben berührt uns so innig und hold, daß uns alles, darin wir es zu entdecken vermögen, verwandt, und alles, darin wir es nicht sehen können, fremd ist, daß wir seine Zeichen in Moosen, Kräutern, Bäumen, Tieren liebreich verfolgen, daß wir sie in der Geschichte des menschlichen Geschlechtes und in den Darstellungen einzelner Menschen begierig in uns aufnehmen, daß wir Leben in unseren Künsten dichten und daß wir uns selber ohne Leben gar nicht zu denken vermögen.

Aus:
Mein Leben, Adalbert Stifter
Geboren am 23.10.1805 in Oberplan im Böhmerwald
Gestorben am 28.1.1868 in Linz

(Adalbert Stifter. Sämtliche Werke, XXV Erzählungen, 3. Teil. Gedichte und Biographisches.
Herausgegeben von Klaus Zelewitz, Hildesheim: Gerstenberg Verlag, 1979)


-------------- Antworten: 4 Kommentare --------------

am Samstag, 21. Februar , schrieb Wolfgang

Liebe Linde!

Recht herzlichen Dank dafür, dass du mir "meinen" Heimatdichter schmackhaft gemacht hast. Ich musste Stifter mit 15, 16 Jahren lesen und fand ihn total langweilig - das lang aber auch an meiner Deutschlehrerin. Deine homöopathische Stifter-Dosierung hat mich angeregt, wieder einmal den total verstaubten "Bergkristall" aus der Kiste zu holen - ich bin schon gespannt darauf.

Liebe Grüße aus Wien,
Wolfgang

am Sonntag, 22. Februar , schrieb Dietlinde

Lieber Wolfgang,
freue mich, dass Du die Anregung, Stifter wieder einmal zur Hand zu nehmen, begrüßt.
Ich habe hier noch einen sehr schönen Gedanken von ihm, der Dir sicher auch gefallen wird:

"Die meisten verstehen nur die Frakturschrift im Buche der Schöpfung
und übersehen die kleine Perlschrift auf Wiesenblumen und Schmetterlingsflügeln."

Zitat: Adalbert Stifter

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich Dir!
Herzlichst
L i n d e

am Montag, 23. Februar , schrieb frizztext

liebe linde, glückwunsch zu deinem tapfer durchgehaltenen online-tagebuch: ein sandkorn zwar im meer des internets - aber dennoch ein wichtiges: ermutigst du mich doch so immer wieder, auch kleine sandkörnchen zu liefern: auf deine anregung hin entstand (und das ist auch dort vermerkt): www.frizztext.de/essay.html - zugegeben ein etwas holpriger versuch noch, aber immerhin mehr als bloße rezensions-schreiberei für amazon und auch noch keinesfalls so mutig und individuell wie dein: online-tagebuch ...

am Montag, 23. Februar , schrieb Dietlinde

Lieber Diet-frizz,
wie schön, dass du immer wieder hereinschaust in mein online-Tagebuch und mir ein positives Echo schenkst. Irgendwann werden wir eine "Wanderdüne" aus den einzelnen Sandkörnchen gebildet haben, wenn wir unbeirrt weiter versuchen unsere Gedanken in Worte zu fassen.

Ich habe dein interssantes essay gelesen und freue mich,
dass auch du weiterhin sehr aktiv bist mit deinen Veröffentlichungen.
Liebe Grüße
L i n d e


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