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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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04/02/2004: "Leben - was ist das eigentlich"


An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt, und alles ruhte. Da streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: "Was ist eigentlich das Leben?" Alle waren betroffen über diese schwierige Frage. Im großen Bogen flog der Buchfink über die weite Wiese und kehrte zu seinem Ast im Schatten des Baumes zurück.

Die Heckenrose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: "Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein." Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: "Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit." Geschäftig kam eine Biene von der honighaltigen Blume auf der Wiese zurück und meinte dazu: "Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen."

Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte: "Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln." Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: "Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen." Dann zog er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten: "Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit."

Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine Kreise. Er frohlockte: "Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben." Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide. Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte: "Das Leben ist ein Sichneigen unter eine höhere Macht." Dann kam die Nacht. Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese dem Wald zu und krächzte: "Das Leben heißt: die Gelegenheit nützen, wenn andere schlafen." Und schließlich wurde es still in Wald und Wiese. Nach einer Weile kam ein junger Mann des Wegs. Er setzte sich müde ins Gras, streckte dann alle viere von sich und meinte, erschöpft vom vielen Tanzen und Trinken: "Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen."

Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach: "Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit."

Märchen aus Schweden

-------------- Antworten: 10 Kommentare --------------

am Donnerstag, 5. Februar , schrieb Biggi

Das ist ein sehr schöner und vor allem nachdenklich machender Text, liebe Dietlinde. Eigentlich haben alle Recht – von der Heckenrose bis zur Morgenröte.
Irgendwo hab ich mal ungefähr folgendes gehört oder auch gelesen: Leben ist wie Wasser, das sich seinen eigenen Weg sucht. Manchmal plätschert es sanft murmelnd dahin, dann wieder ist es überschäumend wild und tosend.

Und die unteren Worte bekam ich vor einiger Zeit mal per Mail zugeschickt.

Liebe Grüße für dich
Biggi
**

Was ist das Leben?

Leben ist eine Gelegenheit - nutzte sie!
Leben ist Schönheit - bewundere sie!
Leben ist Wonne - koste sie!
Leben ist ein Traum - verwirkliche ihn!
Leben ist eine Herausforderung - stell dich ihr!
Leben ist Pflicht - leiste sie!
Leben ist eine Reise - vollende sie!
Leben ist ein Spiel - spiele es!
Leben ist teuer - schätz es!
Leben ist Reichtum - bewahr ihn!
Leben ist Liebe - genieß sie!
Leben ist ein Geheimnis - lüfte es!
Leben ist ein Versprechen - erfüll es!
Leben ist Leid - überwinde es!
Leben ist ein Lied - sing es!
Leben ist Kampf - nimm ihn an!
Leben ist eine Tragödie - sei gefasst!
Leben ist ein Abenteuer - wag es!
Leben ist Leben - erhalte es!
Leben ist Glück - mach es!

Bitte vergeude es nicht, es ist wertvoll !!!

Original in Englisch von der "Missionaries of Carity" in Calcutta.

am Donnerstag, 5. Februar , schrieb Dietlinde

Liebe Biggi,
Deine Gedanken zum Thema "Was ist das Leben"? sind wunderbar passend und haben mich total erfeut! Der Vergleich mit dem sanft murmelden Wasser oder mit einem überschäumenden Wildbach, der sich tosend seinen Weg sucht durch die Schluchten des Alltags, ist ein wunderbarer Vergleich, den ich richtig gut nachvollziehen kann.

Aber auch dein zweiter Beitrag ist einmalig, denn jeder Gedanke, jede Zeile berührt mich tief.
"Leben ist ein Lied - sing es!" Zauberhaft! Und zum Schluß die Bitte "Vergeude es nicht, es ist wervoll!!! Ja, so ist es! Jeder Tag ist kostbar, ein Geschenk. Gut wenn wir uns zwischendurch immer einmal daran erinnern und versuchen den "Augenblick" zu leben, zu schätzen und ihn zu genießen.

Ganz besonders lieben Dank für Deine guten Gedanken.
Liebe Sternenglitzergrüßchen für Dich!
L i n d e

am Freitag, 6. Februar , schrieb e.-peter

Liebe Dietlinde, hallo Biggi, zum Thema Leben ein Haiku von Ernst Ferstl

Kostbares Leben
Jede Sekunde Dasein
Hat Ewigkeitswert.

Dieser Dreizeiler ist vortrefflich.
Einen schönen Tag Euch Beiden. e.-peter

am Freitag, 6. Februar , schrieb Dietlinde

Lieber Peter,
das Senryu von Ernst Ferstl, das Du uns hier präsentierst, weist eindringlich auf die "Kostbarkeit" des Lebens hin. Danke für Dein feedback!

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße
Dietlinde

am Freitag, 6. Februar , schrieb Elke

Liebe Dietlinde,
dein Märchen ist so wahr, dass es schon garkein Märchen mehr ist - oder?
Schließlich haben sie alle irgendwo Recht und wahrscheinlich ist Leben eben auch von Allem etwas.
Eine sehr schöne Geschichte.

Ich wünsche dir ein fröhliches Wochenende,
Elke smile

am Freitag, 6. Februar , schrieb Dietlinde

Hallo Elke,
freue mich über Deinen lieben Besuch. "Von allem etwas", sagst Du, ist das Leben. Mir fällt der fröhliche Vergleich ein, mit einer "Wundertüte". Stimmt doch, gell?

Dein neues Foto-Log mit den entzückenden Blaumeislein gehört auch zu den Überraschungseffekten aus der Wundertüte.smile

Genieße das Wochenende!
Herzlichst
Dietlinde

am Freitag, 6. Februar , schrieb Maria

Guten Abend liebe Dietlinde !
Schön ist das Märchen aus Schweden ! Steckt ja so viel Wahres drinnen....
Hab gelesen dass bei dir auch schon Schneeglöckchen zu sehen sind.... da müssen wir leider noch etwas Geduld haben smile

Ich wünsch dir ein schönes Wochenende !
Liebe Grüße
Maria
<

am Freitag, 6. Februar , schrieb Dietlinde

Liebe Maria,
ob früher oder später, eine leise Vorfrühlingsahnung gibt es jedenfalls schon, das beweist auch Dein vorwitziges Marienkäferchen, und der Frühling kommt ganz bestimmt. Das ist das schöne am Frühling. Man kann sich auf ihn verlassen.
Freue mich über Deinen lieben Besuch und schicke Dir Sternengrüßchen.
Herzlichst
Dietlinde

am Mittwoch, 10. März , schrieb Laura

Ich habe noch ein paar Zeilen auf Lager, die heute recht gut passen:

Der erste Frühlingshauch

in unserem Haselnussstrauch.

"Haselnusskätzchen

Da seid ihr, ihr Schätzchen!

Vom Frühlingswind umschmeichelt,

euer Goldstaub die Erde streichelt.

Eure Köpfchen sind helle,

Seidenweich eure Felle.

Ich brauchte im Garten

nicht lang auf euch warten".

(by Laura)

Alles Gute
Laura

am Samstag, 13. März , schrieb Dietlinde

Liebe Laura,
danke für Deinen "Ersten Frühlingshauch". Er paßt wunderbar zu unseren Gedanken und zu "Neuem Leben"!

Liebe Frühlingshoffnungsgrüßchen!
Herzlichst
Dietlinde


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