Startseite ] Haiku Welt ] Lyrischer Garten ] Foto-Galerie ] Fantasien ] Netsuke ] Seiden-Bilder ] Aquarelle ] Computer-Kunst ] Puzzle ] Präsentationen ] [ Tagebuch ] Lyrik-Forum ] Gästebuch ] Auszeichnungen ] Links ] Persönliches ]

Gedanken zwischen Himmel und Erde


Startseite » Tagebuch-Archiv » Dezember 2003 » Eine der wohl besten Antworten auf eine immer wieder gestellte Frage

[Vorheriger: "Wintermärchen am 4. Advent"] [Nächster: "Fortsetzung der Geschichte des Briefes an die "Sun""]

22/12/2003: "Eine der wohl besten Antworten auf eine immer wieder gestellte Frage"


New York - Die achtjährige Virginia O'Hanlon aus New York wollte es ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Tageszeitung „Sun" einen Brief:

„Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der ,Sun' steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?"

Virginia O'Hanlon

Die Sache war dem Chefredakteur so wichtig, dass er seinen erfahrensten Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen - für die Titelseite der „Sun".

„Virginia, deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt.
Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.
Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie - gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.
Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, du könntest deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht - was würde das beweisen?
Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie.
All die Wunder zu denken - geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.
Was du auch siehst, du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. ,Ist das denn auch wahr?' kannst du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger.
Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia.

Dein Francis Church."

PS: Der Briefwechsel zwischen Virginia O'Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er wurde über ein halbes Jahrhundert - bis zur Einstellung der „Sun" 1950 - alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt.



-------------- Antworten: 2 Kommentare --------------

am Montag, 22. Dezember , schrieb peter rommerskirchen

Salü Dietlinde,
Es ist Weihnachten immer so eine schwierige Zeit für Familienväter.
Die Kinder dürfen nicht merken, dass er den Weihnachtsmann spielt und
dann muss er seiner Frau klarmachen, dass kein Weihnachtsmann ist.
Viele Güessli Peter

am Montag, 22. Dezember , schrieb Dietlinde

Salü lieber Peter,
ich verstehe Dich schon...
Du hast es nicht leicht in der Weihnachtszeit... smile

Liebe Sternengrüßchen für Dich, Du wunderbarer Künstler!

Dietlinde


Tagebuch

Haiku Linde Startseite
Tagebuch-Startseite
Tagebuch-Archiv

Dezember 2003
SMDMDFS
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031   


Lyrischer Garten

Valid XHTML 1.0!

Powered By Greymatter