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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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10/12/2003: "Gegenwartskunst bei Aldi"


Felix Droese findet mit seinen Graphiken immensen Absatz bei Aldi. Was ist passiert? Die Preise für Kunst gingen statt nach oben wie üblich, nach unten zu Aldi. Für 12,99 Euro wurden "Originalgraphiken", handsigniert, in limitierter Auflage, inklusive Holzrahmen, Klarglas und Schrägschnitt-Passepartout, und das von einem Künstler, der an der "documenta" in Kassel und an der Bienale in Venedig teilgenommen hat, angeboten und verkauft. Aldi macht`s möglich! In ihren 1480 Filialen in der Südkette des Mühlheimer Lebensmitteldiscounters wurden sie zwischen Holzspielzeug, Tütensuppen, Weihnachtsgänsen von 7 Künstlern angeboten, 14 Arbeiten insgesamt in einer Auflage von jeweils zehntausend Exemplaren.

Darunter befanden sich Graphiken von Felix Droese (53) mit dem Titel "Silberfinger" und "Windwasserwolken". Droese hat immerhin bei Joseph Beuys studiert. Sie fanden reißenden Absatz.

Am Montag liefen diese Angebote bei Aldi an, und schon am Nachmittag tauchten die ersten Exemplare zum Startpreis von 19,90 Euro im virtuellen Auktionshaus e-bay auf.

Wegen des Nimbus von Aldi, gingen die Bilder weg wie warme Semmeln. Erstmalig wird hier Kunst verkauft, die einen Wiederverkaufswert hat, der nach den Gesetzen des Kunsthandels steigt.

Droese galt als einziger Prominenter, als Lockvogel. Er meinte selbst, er sei das "Trojanische Pferd" der Aktion, und erfolgreicher könne das gar nicht laufen, resümierte er. Kunst gehöre zur Grundversorgung der Menschen, wie Milch, Zucker, Kartoffeln. Endlich würde diese Gleichung wieder transportiert.

Wilhelm Busch ist damit widerlegt worden, der schrieb: "Oft trifft man wen, der Bilder malt, doch selten wen, der sie bezahlt.

Dietlinde Heider


-------------- Antworten: 2 Kommentare --------------

am Mittwoch, 10. Dezember , schrieb Wolfgang

Tja, diese Geschichte ist ja einerseits sehr beschämend; wenn man Drose selbst wirklich ernst nehem darf, hat Aldi doch einen wichtigen Schritt in Richtung Kunstverbreitung getan. (Ob er objektiv auch richtig war, darüber lässt sich natürlich streiten.)

Was Drose mich dabei persönlich lehrt, ist glaube ich, sich selbst (als Kunstschaffenden) nicht ganz so immens wichtig zu nehmen und in Gelassenheit die Zeit für sich arbeiten zu lassen.

Andererseits verstehe ich auch diejenigen, die ihn kritisieren, sich unter seinem Wert zu verkaufen. Aber ist nicht der größte Wert der Kunst, sich in das Leben und die Seelen der Menschen einzugravieren oder zumindest Spuren zu hinterlassen?
(Dies schreibt ein fast sein ganzes Leben für sich selber schaffender Künstler in der Hoffnung, dass seine Kunst SEINE Zeit und SEINE Menschen findet.) Finis Sermonis.

am Sonntag, 14. Dezember , schrieb frizztext

der bei mir in der nähe wohnende wuppertaler professor bazon brock hat sich natürlich mit hohn vor einer aldi-türe aufgebaut und die herauskommenden mit lästigen fragen abgefangen. selbst drei häuserblocks weiter fand er noch hastende. einen hielt er wiederum an. der redete sich heraus: eine alte dame hätte das von ihr gekaufte gemälde nicht mehr tragen können, sie habe auch einen gehstock gehabt, da habe er es ihr für einen euro abgekauft. frizz-comment: na ja, weihnachtlicher wäre gewesen, er hätte es ihr nach hause getragen ...


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