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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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24/11/2003: "Ein trauriges Erlebnis"


Gestern bei meinem Morgenspaziergang durch den schon öfters in meinem Tagebuch erwähnten kleinen Park in unserer Nähe, sah mich, statt wie gewohnt, eine einzeln stehende gutgewachsene Tanne, schätzungsweise in 20 Jahren so schön groß geworden und von herrlichem Wuchs, ein abgeschnittener Baumstamm an. Ich konnte gar nicht so schnell denken, was eigentlich geschehen war, und brauchte einige Momente, um zu realisieren, daß die Tanne gefällt worden war, unwiederbringlich!

Weg, fortgeschleppt, nur noch der Baumstumpf sichtbar. Ich hatte sie immer bewundert wegen ihres gleichmäßigen Wuchses. Vögel mochten diesen Baum sehr. Buchfinken hielten sich immer darin auf. Auch ein rotbraunes Eichhörnchen sah ich öfters am Stamm hochflitzen und einen Tannenzapfen abbeißen, ihn dann quer in seinem kleinen Maul balancieren und mit größtem Geschick in den Zweigen der Tanne langflitzen. Mit einem waghalsigen Sprung erreichte es den nächststehenden Baum.

Manchmal kletterte es auch kopfüber am Stamm herab, verspeiste den Tannenzapfensamen, indem es jede Schuppe des Zapfens auseinandernahm. Es saß aufrecht auf seinen Hinterpfoten. Mit den Vorderpfoten drehte es geschickt den Zapfen immer wieder, um gut an die Samen heranzukommen. Vom ganzen Festmahl blieb nur ein Häufchen Tannenschuppen und der Kern des Zapfens unter der Tanne liegen. Wenn es noch nicht satt war, wiederholte sich das selbe Spielchen noch mehrere Male, bis es dann mit einem Husch verschwunden war. Diese kleinen Erlebnisse würden sich nun hier nicht mehr wiederholen können.

Der Parkwächter war ein Stück entfernt von mir und rechte Blätter zusammen. Ich fragte ihn ganz erschrocken: "Wissen sie, warum die Tanne gefällt worden ist? Sie hat doch hier gar niemanden gestört". Ich hatte immer noch nichts begriffen, bis er mit einem Grinsen antwortete: "Die wird am 1. Advent beleuchtet als Christbaum vor dem Gemeindehaus stehen". Jetzt begriff ich endlich. 20 Jahre hatte sie gebraucht, um so herrlich zu wachsen und nun stand sie für 4 Wochen vor dem Bürgermeisteramt, um dann entsorgt zu werden. Ich würde keine Freude am Gemeinde-Christbaum haben, das stand fest!

Die Kurzsichtigkeit einiger Menschen, die glauben, sich beliebig aus der Natur bedienen zu können, macht mir Angst.

Dietlinde Heider

-------------- Antworten: 3 Kommentare --------------

am Montag, 24. November , schrieb e.-peter Rommerskirchen

angry, grr angry, grr

Die Tanne im Park
für diese Ware Weihnacht
Einfach geopfert
Senryu von © EPROM (*1941)

am Montag, 24. November , schrieb engelslicht

confused Die Geschichte hat mich erschüttertt. Ja die Menschen haben keinen Sinn für die Natur.Hier in der schweiz fällt mir auf das sie viel an Bäumen u, Büschen rumschneiden ,obwohl es nicht nötig wäre. Gott sei Dank steht mein Baum noch mit dem ich rede u. er schon 80 Jahre ist!Viele Vögel sind darin,es ist eine Eiche u, steht auf einem Feld der Bauer liebt seinen Baum! Liebe Grüsse Engelslicht

am Dienstag, 25. November , schrieb Dietlinde

Liebe Antje, lieber Peter,

es tut mir richtig gut, daß Ihr mir so einen mitfühlenden Kommentar geschrieben habt.

Liebe Antje, schätze Dir Deine Eiche und erfreue Dich an ihr.

Lieber Peter, Dir danke ich für Dein mitfühlendes Senryu. Du hast in nur 17 Silben die ganze Tragik wiedergespiegelt.
Sehr, sehr gut!

Ganz liebe Grüße
Dietlinde


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