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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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07/11/2003: "Reise nach dem Süden"


In die Zeit Ende Oktober, Anfang November fällt die Abreise der Stare. Ich freue mich immer, wenn ich den Sammelplatz ausfindig machen kann. Bis jetzt war er in jedem Jahr an einer anderen Stelle. Im Vorjahr hörte ich aufgeregtes „Schwätzen“ der Stare in einer riesig langen Hecke aus verschiedenen Beerensträuchern. Am Himmel sah ich immer wieder Grüppchen von 10 bis 15 Staren, die aus allen Himmelsrichtungen kamen. Ihre Artgenossen warteten schon in der Hecke, wo sie sich an den Beerenfrüchten wohl ein letztes Mal vor dem Abflug stärkten. Immer wieder flog ein Schwarm Stare aus der Hecke hoch, kreiste kurz darüber und fiel wieder mit viel Lärm in die Hecke ein. Ich denke, dass das ein Zeichen sein sollte, dass dort der Sammelplatz ist und andere Stare so auf diesen Platz aufmerksam gemacht werden sollten, falls sie sich dem Vogelzug anschließen wollten. Einige Stare überwintern auch hier in Kriftel. Es ist nicht bekannt, warum der größte Teil abfliegt und einige aber ihre Heimat den ganzen Winter über nicht verlassen.

Immer wieder kommen neue Scharen von Staren. Ich nahm mir viel Zeit, um den Abflug nicht zu verpassen und wartete geduldig, indem ich lange Zeit dort auf und ab spazierte. Nachdem sich das „Schwätzen“ der Stare immer noch verstärkte, nahm ich plötzlich das Schwingen vieler tausend Flügel wahr und eine schwarze Schleierwolke erhob sich und die ganze Schar setzte sich in Bewegung und flog ab. Ich war fasziniert von dem Anblick dieser schwarzen Schleierformation von Staren.

Später sah es durch kleine Flugrichtungsänderungen des Starenschwarms so aus, als wehe der Wind in diesen Riesenschwarm und der Schleier flattere in der Luft. In dieser Weise erlebte ich den Abflug im vorigen Jahr.

Vor einigen Tagen suchte ich wieder die beschriebene Hecke auf, wie auch schon eine Woche davor. Dort tat sich gar nichts. Also spazierte ich weiter in die Felder hinein und traute meinen Augen kaum, als ich auf einer Wiese ganz in der Nähe einen sehr, sehr großen schwarzen Fleck wahrnahm und in der Luft wieder Grüppchen von Staren, die dort landeten. Also diesmal war der Versammlungsplatz zum Abflug hier auf der großen Wiese. Wie im Vorjahr flogen auch diesmal Schwärme auf, landeten wieder, neue kleine Gruppen gesellten sich zu der großen schwarzen Schar. Die Wiese war sehr gut zu beobachten, und ich hoffte insgeheim, dass der Abflug, es war so gegen 11 Uhr vormittags, bald stattfinden würde, und ich das Schauspiel wieder beobachten könnte. Wer wohl den Wink zum Aufbruch gibt? Plötzlich, wie auf Kommando erhob sich der riesige schwarze Fleck von der Wiese und mit
viel „Geschwätz“ und diesen Geräuschen der Flügelschläge, setzte sich die ganze Vogelschar
in Bewegung, und wieder hatte ich die Gelegenheit zu sehen, wie mühelos diese schwarzen Schleier am Himmel flatterten, wie sie immer kleiner wurden bis sie aus meinem Blickfeld entschwunden waren. Ich wünschte ihnen in meinem Herzen eine gute Reise, und dass sie im nächsten Frühjahr wieder wohlbehalten ankommen sollten. Im Geiste sah ich sie schon wieder in der Sonne sitzen, schwarz, mit purpurfarbenem, grünem und blauem Glanz ihres Federkleides, das im Herbst auffallend weiß getüpfelt ist, fröhlich plaudernd und pfeifend. Richtig froh war ich wieder, dass ich dieses Erlebnis des Abflugs der Stare beobachten durfte und den Sammelplatz rechtzeitig ausfindig gemacht hatte.

Dietlinde Heider



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