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Gedanken zwischen Himmel und Erde


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28/10/2003: "Der alte Birnbaum"


Jetzt endlich weiß ich es, dass ich schon lange eine kleine Geschichte über den alten Birnbaum schreiben wollte, weil ich ihn seit vielen Jahren schätze und immer, wenn ich an ihm vorbeigehe, erfreue ich mich an seiner Standhaftigkeit. Kein Wind und Wetter, auch nicht die Kälte und die Hitze, setzen ihm zu.

Im Herbst, in seinem bunten, roten Blätterkleid, gefällt er mir ganz besonders gut. Sein Wuchs ist recht bizarr, einige Äste sind dürr, aber groß, sehr groß und sehr, sehr alt ist er schon. Er steht in einem kleinen Park und oft beschleicht mich die Angst, wie lange er noch da stehen bleiben darf. Die Menschen in ihrem Nutzdenken könnten ihn anders sehen als ich.

Auch die Vogelwelt liebt ihn. Ein Grünspecht besucht ihn regelmäßig am Vormittag und macht reiche Beute. Er findet in dem rissigen Stamm des Birnbaums, in den oft morschen Astlöchern, reichlich Insekten, Würmchen, Larven von Raupen und Spinnen.

Der Grünspecht ist prächtig gefärbt und jetzt im Herbst paßt er sich vollkommen dem Blattwerk der Birne an. In seinem grünen Federkleid mit der roten Kappe auf dem Kopf sieht er farbenfroh aus.

Der kleine Park von dem ich sprach, ist nicht weit von unserem Haus entfernt und oft höre ich den Grünspecht lachen, denn die Töne, die er von sich gibt, hören sich wie ein lautes Gelächter an. Manchmal sehe ich ihn im Blattwerk des Baumes gar nicht, aber seine Arbeitsgeräusche, sein Hämmern, das er mit seinem Schnabel mit einem lautstarken trrrrrrrrr,
trrrrrr zuwegebringt, verrät ihn. Ich habe auch das Gefühlt, daß er gar nicht besonders scheu ist. Ich kann sehr nahe an den Birnbaum herangehen und versuchen ihn mit meinen Augen zu entdecken, und nie fliegt er weg, sondern arbeitet ungestört an seinem Frühstück oder Mittagessen weiter. Auch andere Vögel im Baum stören ihn nicht. Buchfinken, Kohl- und Blaumeisen schätzen meinen alten Birnbaum auch. Heute waren Stare und Amseln in seiner Krone auf Futtersuche. Ein paar Grünfinken hielten gebührenden Abstand von drei vornehmen, hellgrauen Tauben mit schwarzem Ringlein um den Hals und suchten zwischen gelbem Ahornlaub nach Futter.

Jeder, der die Vogelwelt liebt, wird spüren, welch wundervolles Paradies der kleine Park für unsere gefiederten Freunde darstellt und wie wichtig der alte Birnbaum, ja wie unerlässlich es ist, auch alten Bäumen Raum zum Leben zu lassen im Sinne einer Gemeinschaft, die für Mensch, Vogel und Baum wichtig ist.

Ich habe jetzt ein wunderbares Gefühl, weil diesem alten Birnbaum endlich einmal die nötige Beachtung geschenkt wurde, und ich sein Dasein in dieser kleinen Geschichte festgehalten habe, mir zur Freude und für alle anderen, die alte Bäume schätzen, so wie ich.

Dietlinde Heider


-------------- Antworten: 1 Kommentar --------------

am Dienstag, 28. Oktober , schrieb OPPI

smile

Wunderbar, deine kleine Geschichte! Ich war ganz überrascht, ein Weblog von dir zu entdecken - finde ich prima, mit schönen Gedanken darin!
Herzliche Grüße
OPPI :-)


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